Samstag, April 05, 2025

Ericsson zeigt vor, wohin die Datenleitungen führen: Tausendfach höhere Kapazitäten, 50 Mrd. Vernetzungen und nur wenig Technologiegequatsche.

Stockholm, Ende Juni. Während in Österreich die Regenzeit begonnen hat, scheint über der schwedischen Hauptstadt die Sonne. Im Stadtteil Kista, sprich [schi:sta], dem Silicon Valley Skandinaviens, erklärt ein Mobilfunkkonzern die Schwierigkeit, Usern das zu geben, was sie auch wirklich wollen. »Das ist das Paradoxe in unserer Industrie: Unsere Technologien sind konsumentengetrieben, wir müssen mit ihrer Entwicklung aber bereits gut zehn Jahre vor dem eigentlichen Marktstart beginnen«, rechnet Carl-Henric Svanberg vor.

Der Ericsson-Boss kam 2003 an Bord, sanierte das Unternehmen und brachte den Konzern wieder auf den Gewinnerkurs. Heute steht Ericsson besser denn je da, trotz erster gesättigter Märkte. Mobilfunkpenetrationsraten von 100 Prozent und mehr sind freilich kein Problem der Netzausrüster, sondern der Provider inmitten eines harten Preiskampfes. Mit den Ausrüstern selbst gehen die Mobilfunkprovider normalerweise eine Partnerschaft ein, die 10 bis 15 Jahre andauert. Svanberg selbst wird diese Zeitspanne nicht länger als CEO erleben. Er wechselt die Branche und in den Chefsessel von BP. Der Erdölkonzern sucht einen Steuermann für frischen Wind, mit dem man in neue Gefilde segeln möchte. Was auffällt: auch Ölgigant Shell wusste sich bei den innovativen Mobilfunkmanagern zu bedienen. Shells Aufsichtsratsvorsitzender Jorma Ollila stand jahrelang an der Spitze des Ericsson-Konkurrenten Nokia.

Die Nachfolge bei Ericsson ist bereits durch den derzeitigen Finanzvorstand Hans Vestberg gesichert. Vestberg gilt als ein Mann der neuen Märkte. Der 44-jährige leitete bereits die Landesorganisationen in Lateinamerika, Mexiko und den USA. Ersten Aussagen zufolge will sich Vestberg weiter auf den Bereich Services fokussieren. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten könnte es für zunehmend mehr Provider interessant werden, ihre Mobilnetzservices an Dritte auszulagern.

Exorbitantes Wachstum
4 Mrd. Handynutzer, 1 Mrd. Internet­anschlüsse im Festnetz und beste Aussichten für eine Revolution des mobilen Internets: die Prognosen für Ericssons Füllhorn multimedialer Anwendungen könnten nicht besser sein. Wurde vor gut 150 Jahren die Eisenbahn einer der  Wegbereiter für die industrielle Revolution, kommt nun dem Faktor Breitband eine solche Rolle zu. »Breitband ist die neue Eisenbahnstrecke, ist die neue Autobahn«, sieht Svanberg. Ohne Breitband gäbe es heute auch Google und alle anderen erfolgreichen Internetplattformen nicht in dieser Form. Die schnelle Datenleitung ist längst zu einer der Säulen unserer Wirtschaft geworden. Und die Auswirkungen haben längst auch die Gesellschaft, unsere Privatleben erfasst. Im Jahr 2014 sollen bereits 80 Prozent von geschätzten 3 Mrd. Breitbandanwendern mobil unterwegs sein.

»Voice wird wichtig bleiben, doch der Datenverkehr wird dominieren«, wagt Technikvorstand Håkan Eriksson einen Blick in die Wahrsagekugel. Er vergleicht das heutige Datenvolumen mit den Erwartungen für kommende Zeiten. Während derzeit monatlich durchschnittlich 20 MB Daten pro User in den Mobilnetzen generiert werden – dies entspricht etwa 300 Sprachminuten – soll dies in den kommenden fünf Jahren bereits auf 4 GB Datentraffic anwachsen. Multipliziert mit der steigenden Zahl der mobilen Breitbanduser bedeute dies »tausendfache Netzkapazitäten, die künftig benötigt werden«, so Eriksson.

Auch werden die Datenströme der Zukunft völlig anders verlaufen. Der Status quo heute: Im Festnetz sind Haushalte vernetzt, im Mobilfunk ist es bereits jeder Nutzer. Künftig soll jedes Gerät, jedes Werkzeug Teil einer großen Datenwolke sein. Experten sprechen von 50 Mrd. Verbindungen und mehr. »Vergleichen Sie es mit der Evolution der Stromnetze. In den Anfängen der Elektrizitätsnetze stand in jedem Dorf eine Maschine. Dann wurden die Haushalte erschlossen und heute sind wir von unterschiedlichsten elektrisch betriebenen Dingen umgeben«, zeigt Eriksson auf.

Eines fällt auf: Die Mobilfunker vermeiden es, in der Öffentlichkeit Technikkürzeln wie LTE bei Möglichkeit zu verwenden. Auch bei Ericsson wird eher über Anwendungen gesprochen – und weniger über Frameworks. »Ob Fernsehen, Video-Streaming, Musikdownloads oder andere Services, die mittels Breitband ermöglicht werden – wir ermöglichen die Kapazitäten«, fasst Österreich-Geschäftsführer Roland Nordgren zusammen. »Die Endgeräte sind vorhanden.«

Das Kapitel »Connectivity« ist zumindest in Österreich bereits abgehakt. Es stellt sich nun nicht mehr die Frage, an welchen Orten sich die User mobil ins Netz wählen können, sondern schlichtweg, welche Kapazitäten dort tatsächlich zu Verfügung stehen.

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