Samstag, April 05, 2025

Am 18. Mai war es wieder so weit: Die Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten lud zur Podiumsdiskussion. Aktuelles Thema: Die Rolle der Nachhaltigkeit in der Ausbildung. Das Ergebnis: Es gibt noch viel zu tun.

 Es ist ein leidiges Thema. Wie praxisorientiert, wie nachhaltig und wie sehr an den Realitäten der Bauwirtschaft orientiert muss die Ausbildung von Architekten sein? Antwort: Sie sollte es sein, ist es in der Regel aber nicht. »Es geht in der Ausbildung von Architekten doch immer noch vor allem um das Entwerfen«, sagte Peter Maydl, Vorsitzender des Ausschusses Nachhaltigkeit der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, in seiner Begrüßung zur Podiumsdiskussion »Nachhaltiges Planen und Bauen – ohne Ausbildung?«. Zwar räumt Maydl ein, dass es bereits einzelne Ansätze zum Thema Nachhaltigkeit im Bausektor gäbe, etwa in Krems, Wien und Graz, die Regel ist es aber noch nicht. Wichtig wäre vor allem eine stärkere Interdisziplinarität der Ausbildung.  »Architekten und Bauingenieure müssen lernen, wie der jeweils andere Part denkt«, fordert Maydl. Dazu sei eine weitergehende Zusammenarbeit als bisher – z.B. bei Projektarbeiten während des Studiums – an den Universitäten notwendig. Nachhaltigkeit sei kein singuläres Fach, sondern müsse in alle Einzeldisziplinen einfließen.

Ganzheitliches Denken
Aus unmittelbarer Nähe kennt Christian Kühn die Problematik. Als Studiendekan der Studienrichtung Architektur an der TU Wien warnte er davor, das Thema allzu sehr aufzublasen. »Man wird die Welt nicht durch das Passivhaus retten können.« Es gehe nicht mehr nur um »ökologische versus andere Architekten«. Den Auftrag der Universitä­ten sieht er darin, ganzheitliches Denken transparent zu machen und in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen zu verankern, wie beispielsweise im TU-Studiengang »Bauen in ökologischen Systemen«. Als weitere heiße Eisen bezeichnete er die Themen Praxisorien­tierung und postgraduale Ausbildung.
Aus der gelebten Praxis erzählte Ursula Schneider, Geschäftsführerin pos architekten ZT-KG, und deckte damit ein Kernproblem der Thematik auf: Auch wenn es in den Ausbildungsstätten langsam ein Umdenken gäbe, kommt »in ihrem Büro von nachhaltigkeitsorientierter Ausbildung nichts an«. Es sei nicht im Bewusstsein verankert, dass Gebäude ein Energiezustand sind, der umfassend in die Umwelt eingebettet werden müsse. Mit ihrer Forderung, wonach architektonische Entwürfe Ästhetik und Ökologie verbinden müssten, erntete sie viel Zustimmung. Wie realistisch die Umsetzung dieser Forderung ist, bleibt abzuwarten.

Über den Entwurf hinaus denken
Von einer ganz anderen Seite präsentierte sich Klaus Daniels, Professor für Entwerfen und Gebäudetechnologie an der TU Darmstadt. Bei ihm ruft der Begriff Nachhaltigkeit Aggressionen hervor, »weil er zum reinen Modewort verkommen ist«. Wichtig sei, dass die Studierenden lernen, über ihren Entwurf hinaus zu denken. Die im Studium vermittelten Inhalte blieben jedoch nicht hängen, weil kaum Zeit sei, sie praxisnah zu vertiefen. Außerdem könnten einige »ältere KollegInnen« die Ideen der Nachhaltigkeit nicht adäquat vermitteln.

Einstellung ändern
Christoph Achammer, Vorstandsvorsitzender und Architekturpartner ATP Architekten und Ingenieure sowie Professor an der TU Wien, gab zu bedenken, dass vor der Diskussion über Studieninhalte erst einmal geklärt werden müsse, ob integrales Denken in der Bauplanung überhaupt gewünscht sei. Für ihn geht es nicht um Wissen, sondern um eine von Grund auf geänderte Haltung der einzelnen Planungsdis­zi­plinen. Wie die Disziplinen heute zueinander stehen, erklärte er auf sehr amüsante Weise: »Zu Beginn ihrer Ausbildung verstehen sich ArchitektInnen, Inge­nieurInnen und HaustechnikerInnen noch blendend. Bei deren Abschluss verlassen sie mit professionellem Hass aufeinander die Bildungsstätte. Wir stehen heute erst am Anfang einer Entwicklung hin zu erfolgreichen Bildungsprogrammen.«

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...

Log in or Sign up