Freitag, April 04, 2025
Offensive für Betriebe
Gregor Grindjan will dafür sorgen, dass immer mehr Unternehmen ihr volles Potenzial entfalten können. (Foto: Schedl)

SAP legt einen neuen strategischen Fokus auf künstliche Intelligenz. Was das für österreichische Unternehmen bedeutet, erklärt Gregor Grindjan, COO bei SAP Österreich.

 

Rund um KI gab es einen großen Hype. Wie sieht heute die Realität aus?

Gregor Grindjan: Künstliche Intelligenz ist heute eine Schlüsseltechnologie für alle Branchen. Als SAP nutzen wir sie schon seit geraumer Zeit. Doch erst die Sprünge der letzten Jahre, besonders bei textbasierten Large Language Models – das allgemein bekannteste ist ChatGPT – erlauben massive Produktivitätssteigerungen. Dieses Potenzial müssen österreichische Unternehmen jetzt nutzen, um global wettbewerbsfähig zu bleiben. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen.

Wie KI-fit sind Unternehmen heute?

Grindjan: Wir sehen großen Aufholbedarf, vor allem im Mittelstand. Dort gibt es generell eine Digitalisierungslücke. Von den Betrieben mit bis zu 50 Beschäftigten weisen knapp 80 Prozent eine geringe oder sehr geringe Digitalisierungsintensität auf, zeigen Daten der Statistik Austria. Das bedeutet: Sie verzichten auf Wettbewerbsvorteile durch Datenanalysen, Clouddienste oder eben KI. Letztere nutzen überhaupt nur 8,9 Prozent der Klein- und Mittelunternehmen.

Welche Potenziale können Unternehmen durch KI konkret realisieren?

Grindjan: Künstliche Intelligenz macht Unternehmen um ein Vielfaches produktiver. Sie erstellt nicht nur Inhalte, sondern kann – bei effektivem Einsatz – rasch präzise Analysen zum Unternehmen ausarbeiten, Routinearbeiten übernehmen und ganze Wertschöpfungsketten überwachen. Das erleichtert jede Entscheidung und erlaubt den Menschen, ihre Zeit und Energie noch gewinnbringender zu nutzen, etwa für Innovation und Strategie.

Wie unterstützen Sie Unternehmen beim Einsatz von KI?

Grindjan: Wir schaffen KI, die Unternehmen versteht. Kernstück unserer Strategie ist Joule, unser KI-Assistent. Er wurde vor einem Jahr gestartet und ist darauf spezialisiert, Datenschätze in SAP-Anwendungen und darüber hinaus zu durchleuchten und dadurch Erkenntnisse zu liefern. Nach der extrem positiven Resonanz bauen wir Joule jetzt weiter aus, vom KI-Assistent zum KI-Agent: Über verschiedene Geschäftsbereiche hinweg kann Joule immer mehr Aufgaben übernehmen, komplexe Fragen beantworten und so optimale Entscheidungsgrundlagen liefern.

Im Arbeitsalltag können Sie Joule beispielsweise ganz allgemein fragen: »Welche Regeln gelten für die Bewirtung von Gästen bei uns?«. Der KI-Agent durchkämmt dann alle Unternehmensrichtlinien und liefert die relevanten Informationen auf einen Blick. Oder Sie können damit große Datenmengen schnell analysieren und Unstimmigkeiten erkennen – dies ist für viele Unternehmensentscheidungen relevant. Sie können Trends erkennen sowie Budgetierungsprozesse durch vorausschauende Analysen automatisieren.

Was bringt die Zukunft für Joule?

Grindjan: In einem nächsten Schritt werden wir Joule in 80 Prozent aller SAP-Anwendungen integrieren. Aktuell trainieren wir die Fähigkeit, Tabellen zu interpretieren. Damit könnte Joule etwa im Lieferkettenmanagement die wichtigsten Indikatoren überwachen und mögliche Ausfälle antizipieren, und im Fall des Falls sofort alternative Lieferanten empfehlen. Finanzabteilungen wiederum könnten komplexe Tätigkeiten automatisieren, wie Rechnungsmanagement oder Buchungsaktualisierungen.


Hintergrund: Was ist Joule?
Der SAP KI-Assistent Joule ist ein innovatives Tool, das auf generativer künstlicher Intelligenz basiert und darauf abzielt, die Nutzung von SAP Anwendungen durch natürliche Sprachinteraktion zu erleichtern. Joule kann Daten aus unterschiedlichen Quellen – interne SAP Anwendungen bis hin zu externen Drittanbietern – analysieren und kontextbezogene Erkenntnisse zu liefern.

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