Sonntag, April 06, 2025

Drahtloses Breitband über WiMAX ist in Österreich vom Erfolg verschont geblieben. Gegen den Mobilfunk hatte die Technologie keine Chance.


"Eine harte Konkurrenz zu UMTS", bescheinigte Ex-Telekom-General Werner Kasztler seinem eben gegründeten Unternehmen WiMAX Telecom. Das war im Jahr 2005. Gemeinsam mit dem Branchenhaudegen Dov Bar-Gera und Geschäftsführer Peter Ziegelwanger brach Kasztler auf, das Breitbandgefüge in Österreich zu verändern. Millioneninvestitionen, eine Zahl von 200.000 Kunden und die landesweite Versorgung peilten die drei Unternehmer bis 2008 an. Dem starken Mobilfunk zum Trotz sollte Drahtlosinternet über WiMAX besser und günstiger als jede andere Luftschnittstelle punkten. „Unser Schwerpunkt ist Breitbandinternet und damit der Laptop, während UMTS auf das Handy fokussiert ist“, hieß es damals unter großen medialen Beifall. Vier Jahre später ist man gescheiter. Kasztler und Bar-Gera haben längst die Reißleine gezogen und Peter Ziegelwanger schupft nun mit einer Rumpfmannschaft den Laden. 3.000 Kunden soll WiMAX Telecom hierzulande derzeit haben. In dem Nachbarland Slowakei ist man erfolgreicher. Dort sind es immerhin 12.000.

Anderswo läuft gerade eine neuerliche Ausschreibung zu Frequenzzuteilungen im 3,5-GHz-Bereich für WiMAX-Dienste. Es sind wieder Frequenzbänder freigeworden. Nach der Telekom Austria gab auch der Telekabler UPC seine WiMAX-Rechte an die Behörde zurück. Für die beiden Festnetzgrößen ist der Kauf der Frequenzbänder schlussendlich nichts anderes als ein Blockieren der Frequenz-Slots gewesen. Neben WiMAX Telekom, der TA und UPC ersteigerte 2004 nur noch der Vorarlberger Provider Teleport das Recht, die Breitbanddienste anzubieten. Und die Vorarlberger sind neben Ziegelwanger die einzigen, die durchgehalten haben  – wenn auch regional beschränkt. Der WiMAX-Ausbau scheint in einem Mobilfunkland wie Österreich riskant. Die Internetprovider-Vereinigung ISPA rät interessierten Mitgliedern nun, sich zu Bietergemeinschaften als Verein zusammen zu schließen. Lediglich die formalen Voraussetzungen müssten gewahrt werden, rät man. Etwa soll die gegenüber der RTR notwendige Bankgarantie auf den gesamten Verein und nicht auf ein einzelnes Mitglied ausgestellt sein. Bis Mitte Juli können sich Provider für die Auktion der frei gewordenen Frequenzen bewerben. Das Versteigerungsverfahren wird für spätestens September angepeilt

Peter Ziegelwanger hat indes anderen Sorgen. Die WiMAX-Mutter Nextwave Wireless ist selbst in Turbulenzen und ordnet ihre Geschäftsfelder neu. In den letzten Monaten hat das US-Unternehmen bereits sein Chipset-Geschäft veräußert und den Bereich Systemtechnik verkauft. Nun steht das Abstoßen der Providertöchter an – darunter auch WiMAX Telecom. Für das Breitbandgeschäft suchen die Amerikaner einen Neueigentümer, der wieder Geld in den Ausbau der Netze steckt. Vielleicht könnten aber auch lokale Partnerschaften in Österreich dem Geschäft wieder zu neuem Schwung verhelfen, hofft Ziegelwanger. Als Betreiber für Stadtnetze etwa, um eine Breitbandglocke über urbanes Gebiet zu stülpen. Erste Laptops, die auch den Standard 802.16e-2005 - „Mobile WiMAX“ genannt – unterstützen, sollen dazu Anfang 2010 auf den Markt kommen. Dann nämlich kann der Breitbandzugang auch von unterwegs auch erfolgen. Bislang musste fix eine Außenantenne ans Haus geschraubt werden, das den Datenstrom dann über ein Kabel ins Innere leitete. Es ist eine aufwändige Prozedur, die den Massenmarkt abschreckt. Doch genau dieser sollte auch nie angesprochen werden, beteuern Experten. „WiMAX wird in Österreich, wie auch in einigen anderen Ländern, Nischenapplikationen ermöglichen“, ist RTR-Geschäftsführer Georg Serentschy heute überzeugt. Wenn auch Österreich „ein HSPA-Land erster Größenordnung“ geworden ist, wie er hinzufügt.

Schauplatzwechsel nach Oberösterreich. Die Bezirkshauptstadt Gmunden im Salzkammergut ist eines der typischen Zielgebiete der WiMAX Telecom. Die Gegend ist vom Breitbandwettbewerb großteils verschont geblieben. Wer nicht in das Ausbau-Schema der Telekom Austria passt, ist auf den Mobilfunk angewiesen. Dieser sendet brav - brauchbares Breitband gibt es für die Gmundener aber bestenfalls am Balkon oder im offenen Fenster. Georg C. (Name der Redaktion bekannt) ist selbst Unternehmer in der IT-Branche und pendelt am Wochenende nach Gmunden. Er wohnt zwar direkt im Stadtzentrum, musste aber vieles versuchen, bis er zu seinem Breitbandzugang kam. Ein Verteiler der Telekom ist zwar in der Nähe, aber voll. Die Mobilfunker wurden durchprobiert, schafften Indoor aber nur GPRS. Ein Bekannter stieß C. dann auf einen WiMAX-Sender, der die Gegend um Gmunden versorgt. „Das Werkl flutscht mit tadelloser Verlässlichkeit und Geschwindigkeit“, war C. erstaunt. Der Drahtloszugang von 1,5 Mbps im Download stellt ihn zufrieden. Für Gmundener Verhältnisse ist der Zugang top. Nicht überall ist WiMAX zum Flop geworden.

Für den WiMAX-Telecom-Geschäftsführer ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende. Ziegelwanger sieht für die Zukunft eine Entwicklung auf 100 bis 120 Prozent Durchdringung am Breitbandmarkt in Österreich. Alle werden die schnellen Leitungen haben wollen, ob über Festnetze oder drahtlos. „Die Mobilfunker werden aufgrund ihrer hohen Netzkosten Probleme in ihrer Profitabilität bekommen. Es wird definitiv Platz für zusätzliche Technologien geben“, ist er zuversichtlich. „Wir stehen mit unserer technologischen Effizienz besser da.“

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