Freitag, April 04, 2025

Die Investoren und Projektentwickler in Osteuropa scheinen angesichts der Finanzkrise in Schockstarre gefangen zu sein. Der Shopping Center Boom der letzten Jahre hat deutlich an Tempo verloren. Gänzlich eingestellt werden aber nur rund zehn Prozent der Projekte, der Rest wird vorerst einmal verschoben.

Vor der Finanzkrise war in Osteuropa viel Geld vorhanden, das veranlagt werden wollte. Es kamen jede Menge Projekte in die Pipeline darunter auch viele schlechte, heißt es in einer aktuellen Studie des Standortberaters RegioPlan Consulting. Es wurde finanziert und realisiert, aber nicht alles war sinnvoll. Dann ist die Finanzkrise gekommen und die Märkte ordentlich durchgeschüttelt. „Heute sitzt das Geld definitiv nicht mehr so locker. Dabei bleiben vor allem schwächere Projekte auf der Strecke“, sagt RegioPlan Geschäftsführer Wolfgang Richter. Aus der Vogelperspektive betrachtet sei diese Marktbereinigung durchaus positiv, da dadurch die bestehenden Strukturen gestärkt werden.

In der Wartschleife
Investoren, Entwickler und Händler teilen ein gemeinsames Schicksal. Alle warten, dass der Konjunkturmotor wieder anspringt. Aktuell tut sich nur sehr wenig. Vor allem in der Ukraine, Rumänien, Bulgarien und Russland sind zahlreiche Projekte on hold. Besonders betroffen sind jene, die sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Vor kurzem war das noch ganz anders. Dem Investitionsboom folgte der Bauboom: Immer schneller, immer größer, immer mehr. Das hat sich jetzt schlagartig geändert. Allerdings bedeutet der derzeitige Stillstand nicht, dass gar nichts mehr gebaut wird. Richter schätzt, dass nicht mehr als zehn Prozent der Projekte tatsächlich eingestellt werden. Der Rest werde nur vertagt und idealerweise überarbeitet und optimiert. „Es ist noch genug Dynamik da, nur etwas verschoben“, ist Richter überzeugt.

Der Konsument wieder im Fokus
Bei dem enormen Tempo, in dem Handelsimmobilien in den letzten Jahren entwickelt wurden, blieb laut die Qualität irgendwann auf der Strecke. Die RegioPlan-Studie kommt zu dem Schluss, dass „Shopping Center nicht mehr für die Kunden gebaut wurden sondern für die Investoren“. Die Kaufkraft der Bevölkerung stieg aber nicht in demselben Ausmaß wie die Handelsflächen. Durch die Finanzkrise kommt es jetzt zu einer Kehrtwende. „Vor allem die schlechten Projekte werden nicht überleben. Es wird zu einer Marktbereinigung kommen, die gut ist“, sagt Richter. Zum einen, weil Projekte nun sorgfältiger geplant werden müssen, um überhaupt eine Finanzierung zu bekommen. Und zum anderen werden die bestehenden Strukturen gestärkt und die Konsumenten bekommen nun endlich die Möglichkeit, das derzeit bestehende Angebot auch anzunehmen.

Erfolge sind möglich
Das Potenzial im Osten ist den widrigen Umständen zum Trotz ungebrochen groß, ist man bei RegioPlan überzeugt. „Der Nachholbedarf auf der Seite der Konsumenten ist nach wie vor da, und auch internationale Handelsketten werden langfristige Expansionsstrategien nicht über den Haufen werfen.“ Der Zugang der Investoren und Planer müsse sich aber ändern. Statt „Speed counts“ muss das Motto nun „Quality first“ heißen. „Als Projektentwickler hat man heute dann Erfolg, wenn man neben dem nötigen Kleingeld auch den richtigen Standort und für die jeweilige Umgebung das passende Konzept hat“, sagt Richter. Und dieses Konzept ist in Bratislava ein anderes als etwa in Kiew oder Sofia. So verfügt etwa Kiew um mehr als doppelt so viel Shopping Center-Fläche als Bratislava, hat aber eine nur halb so hohe Dichte pro Einwohner.

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...

Log in or Sign up