Samstag, April 05, 2025
Veränderte Job-Prioritäten 
Pressefoto (v.l.n.r.): Thomas Schwabl (Geschäftsführer Marketagent), Monica Rintersbacher (Geschäftsführerin Leitbetriebe Austria), Maximilian Forstner (Senior Manager BDO Austria), Andreas Gnesda (Beiratsvorsitzender Leitbetriebe Austria)​. (Fotocredit: Katharina Schiffl)

Der erstmals von Marketagent und Leitbetriebe Austria erstellte Arbeitsmarkt-Kompass zeigt eine deutliche Verschiebung von traditionellen Karrieremustern zu flexibleren Arbeitsmodellen. 

Waren die Jahre 2020 und 2021 stark von der Pandemie geprägt, hat sich die Lage ab 2022 umgedreht: Eine Rekordzahl an Branchen meldete einen Arbeitskräftemangel. Die Einstellungen der Arbeitnehmer*innen befinden sich ebenfalls im Wandel. Worauf die heimischen Beschäftigten im Berufsleben Wert legen, wie, wo und wann sie arbeiten möchten und wie sie die Stimmung am Arbeitsmarkt wahrnehmen, hat das Marktforschungsinstitut Marketagent in Kooperation mit Leitbetriebe Austria erhoben.

Ein Ergebnis sticht besonders hervor: Die klassische 40-Stunden-Woche ist unbeliebt wie nie zuvor. Teilzeit boomt schon seit vielen Jahren, Modelle wie die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich werden in der Öffentlichkeit heiß diskutiert. Im Durchschnitt würden die Österreicher*innen ein wöchentliches Arbeitsvolumen von rund 34 Stunden bevorzugen. Bei Frauen liegt die Wunsch-Dienstzeit sogar noch etwas niedriger – konkret bei 30,8 Stunden (Männer: 36,3). Dieser deutliche Geschlechterunterschied ist wenig überraschend, schließlich lastet der Großteil der unbezahlten Care-Arbeit hierzulande immer noch auf den weiblichen Schultern.

Homeoffice weiterhin gefragt

Spätestens seit der Corona-Pandemie sind Homeoffice und Remote-Arbeit in vielen Branchen zur Norm geworden. Im Vorjahr beorderten einige große Konzerne ihre Angestellten wieder vermehrt ins Büro. Inwieweit sich dieser Rückwärtstrend auch in Österreich durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Die heimischen Arbeitnehmer*innen bevorzugen aber ohnehin eine gesunde Mischung. Wer grundsätzlich die Möglichkeit zur Arbeit daheim hat, wünscht sich im Schnitt einen Remote-Work-Anteil von 39 Prozent, was in etwa zwei Homeoffice-Tagen entspricht.

Andreas Gnesda, Beiratsvorsitzender Leitbetriebe Austria, bestätigt diesen Trend: »Der Arbeitsmarkt im Wandel und der Wunsch nach Flexibilität nach wie vor ungebrochen. Es liegt an den Unternehmen, die passenden Voraussetzungen zu schaffen und Lösungen zu bieten.« Die hohe Popularität von Remote-Work hängt nicht zuletzt auch mit dem Wegfall des Anfahrtswegs zur Arbeit zusammen. Im Pendlerland Österreich legen die Befragten ihre persönliche Schmerzgrenze beim täglichen Arbeitsweg mit durchschnittlich 23,9 km fest. Im Burgenland, das eine besonders hohe Pendlerdichte aufweist, ist man sogar bereit 33,8 km zur Dienststelle zurückzulegen.

Hart arbeiten, gut leben

Mit dieser Philosophie können sich fast 60 Prozent der arbeitenden Bevölkerung gut identifizieren. »Engagement und Leistung sind durchaus noch Tugenden, die hochgehalten werden. Dennoch zeigen unsere Daten, dass sich der Fokus zunehmend weg von traditionellen Karrieremustern hin zu flexibleren Arbeitsmodellen verschiebt«, erläutert Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent. »Arbeitgeber, die diese Flexibilität unterstützen, werden nicht nur talentierte Fachkräfte anziehen, sondern auch die Mitarbeiterbindung stärken.« 

Die Work-Life-Balance wird zu einem zentralen Thema. Vor die direkte Wahl gestellt, gibt die Mehrheit der Befragten der Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf (73 Prozent) klar den Vorzug gegenüber der Karriere (27 Prozent). Work-Life-Balance ist somit nicht lediglich ein Schlagwort, sondern ein fundamentaler Aspekt der modernen Arbeitskultur. Für Arbeitgeber*innen liegt die Herausforderung darin, Strukturen zu schaffen, die eine solche Balance ermöglichen, ohne die betrieblichen Ziele zu gefährden.

Das Thema Work-Life-Balance ist für viele schon beinahe selbstverständlich - auch im Zusammenhang mit der Arbeit im Homeoffice. (Foto: iStock)


In diesem Zusammenhang machen die Umfrageergebnisse auch deutlich, dass die Bedeutung der klaren Trennung zwischen Job- und Privatleben im Umbruch ist. Während sich Millennials, Generation X und Babyboomer noch deutlich für eine klare Unterscheidung von Arbeit und Freizeit aussprechen, darf es für die Generation Z ruhig zu einem Verschmelzen dieser beiden Lebensbereiche kommen. Der neue Trend Work-Life-Blending lässt grüßen.
In Sachen Überstunden lässt sich bei den heimischen Arbeitnehmer*innen eine gewisse Ambivalenz feststellen. Einerseits geben fast 9 von 10 Befragten an, dass sie gerne Mehrarbeit leisten, sofern diese abgegolten wird. Andererseits sind 84 Prozent der Ansicht, dass Überstunden eine Ausnahme sein sollten. Insbesondere Personen mit niedrigerer Ausbildung sehen Überstunden auch als willkommenes Mittel, um das Gehalt aufzubessern.

Neuer Job, neues Glück?

Die überwiegende Mehrheit der befragten Arbeitnehmer*innen ist mit dem aktuellen Job zufrieden (81 Prozent). Dennoch äußert etwas mehr als ein Drittel eine grundsätzliche Bereitschaft zur beruflichen Veränderung (35 Prozent), jede*r Elfte will sogar unbedingt wechseln. Am höchsten ist die Wechselbereitschaft in der Generation Z ausgeprägt – in dieser Gruppe ist fast die Hälfte offen für Neues (47 Prozent). Maximilian Forstner, Senior Manager BDO Consulting und Experte für Workforce Strategy & Reward, rät Unternehmen, in die Mitarbeiterbindung zu investieren: »Durch Strukturoptimierung und mehr Rollenklarheit mit weniger Schnittstellenproblemen kann die Zufriedenheit und Loyalität dem Unternehmen gegenüber gesteigert werden. Auch der persönlichen Entwicklung im Job sollte mehr Beachtung geschenkt werden.« 

Bei der Suche nach einem neuen Job stehen für 69 Prozent der Arbeitnehmer*innen ein guter Lohn bzw. faire Bezahlung an erster Stelle. Dahinter folgen ein gutes Arbeitsklima (57 Prozent) und Wertschätzung (43 Prozent). Die Detailanalyse offenbart jedoch wieder deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen legen bei der Jobsuche signifikant mehr Wert auf Flexibilität, beispielsweise was den Remote-Anteil oder die Arbeitszeiten betrifft. Auch die faire Bezahlung liegt den Arbeitnehmerinnen deutlich mehr am Herzen – eine traurige Notwendigkeit in Zeiten eines weiterhin hohen Gender-Pay-Gaps.

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