Samstag, April 05, 2025
Die Mobilmachung der Industrie und Wirtschaft gegen den Beschluss des EU-Umweltausschusses zur Versteigerung von CO2-Zertifikaten hatte
Erfolg. Energieintensive Branchen erhalten weiter Gratiszertifikate.

 

Meine Damen und Herren, die Lunte brennt!« – »Noch nie war der Industriestandort Österreich so gefährdet wie jetzt!« - »Entweder CO2-Handel oder Wirtschaftsstandort!« Mit drastischen Worten hatte Veit Sorger, Präsident der österreichischen Industriellenvereinigung (IV), die aus Sicht der Industrie notwendige weitere Gratiszuteilung von CO2-Zertifikaten an energieintensive Betriebe beschworen. 

 

Der Beschluss des EU-Umweltausschusses vom 7. Oktober, ab 2013 den Großteil und ab 2020 alle Emissionszertifikate nicht mehr gratis zuzuteilen, sondern zu versteigern, sei kontraproduktiv für den Standort Europa, aber auch für den Klimaschutz. Diese Problematik sei in Öffentlichkeit und Politik bisher nicht ausreichend durchgedrungen, hatte Sorger gemeint, zugleich aber klargestellt, dass sich die österreichische Industrie zum Klimaschutz und seinen Zielen bekenne. Durch die Versteigerung werde allerdings keine Tonne weniger emittiert, statt einem Effekt auf die Umwelt gebe es lediglich Mehreinnahmen für die Budgets der EU-Länder, wie IV-Generalsekretär Markus Beyrer ergänzt. Nachdem es zunächst so ausgesehen hatte, als ob es der europäischen Industriellenvereinigungen in Brüssel nicht gelungen war, den EU-Rat von dieser Position zu überzeugen, hat der EU-Gipfel vom Dezember nun den von der Industrie erhofften Umschwung gebracht. Mit den in den vergangenen Wochen ständig nach unten korrigierten Wirtschaftszahlen im Rücken gelang es der Industrie, die drohende Versteigerung für energieintensive Betriebe, die im Wettbewerb mit Staaten stehen, die sich nicht am Emissionshandel beteiligen (Non-ETS-Staaten), ab 2013 zu verhindern.  

Weiter gratis
»Carbon Leakage« – die Gefahr der Abwanderung der heimischen Produktion und damit der Verlagerung von Emissionen in Non-ETS-Staaten war in diesem Zusammenhang das große Thema. Die Kommission wollte die Entscheidung, welche Branchen als davon Betroffene Gratiszertifikate weiter erhalten, ursprünglich erst 2011 treffen. Die IV verlangte die weitere kostenlose Zuteilung der begehrten CO2-Zertifikate, verteilt nach einem Benchmarkingsystem. Die Benchmarks sollen für Produktgruppen gebildet werden und sich an den klimaschonendsten verfügbaren Technologien orientieren. Dadurch könnte die Industrie zu Investitionen in effiziente Technologie und Forschung motiviert werden, anstatt sie mit einer »Produktionsbesteuerung« (Sorger) zu bestrafen und ihr die finanziellen Mittel für Entwicklungen zu nehmen, meint die IV.  Verdoppelung der ArbeitslosigkeitEindringlich hatte die IV versucht, auf die aus ihrer Sicht drohenden volkswirtschaftlichen Folgen der Entscheidung vom Oktober hinzuweisen: Würden die energieintensiven Betriebe abwandern, wären davon bis zu 170.000 Arbeitsplätze betroffen – »eine Verdopplung der Arbeitslosigkeit, um das deutlich zu machen«, wie IV-Generalsekretär Markus Beyrer anmerkte. Anlässlich des von der Wirtschaftskammer veranstalteten »Europatages« rechnete Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der Voestalpine vor, dass sein Unternehmen bei einer vollen Umsetzung des Auktionierungssystems ab 2013 mit Zusatzkosten von 300 bis 600 Millionen für den Emissionshandel rechne. Sollte der Preis für eine Tonne CO2 gegen 100 Euro steigen, würden sogar Kosten von 1,3 Milliarden Euro drohen. »Dann sind wir in ein bis zwei Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig«, hatte Eder gewarnt.  

Carbon Authority
Dass es bis zum Jahr 2020, dem geplanten Zeitpunkt für die komplette Versteigerung von Emissionshandelsrechten, überhaupt einen funktionierenden Markt für CO2 geben wird, bezweifelt Stefan Schleicher, Leiter des Zentrums für Klima und Globalen Wandel an der TU Graz. Mit seiner vom EU-Rat übernommenen Forderung, der Industrie weiterhin freie Zertifikate für ihre Exporte in Non-ETS-Staaten zuzugestehen, um konkurrenzfähig zu bleiben, hat die Industrie nun einen für sie wichtigen Schritt erreicht. Die Lunte brennt nicht mehr so hell. 

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...

Log in or Sign up