Samstag, April 05, 2025

Bis zum Jahr 2020 steht eine echte Zäsur im Gebäudedesign bevor, ein Quantensprung der Entwicklung, wie er im Bauwesen der Neuzeit seinesgleichen sucht. Ein Gastkommentar von Dr. Carl Hennrich.

Die aktuellen rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen im Gebäudesektor erfordern neue energieeffiziente, klimaschonende und nachhaltige Bauweisen.
Das Klima- und Energiepaket 2020 verlangt minus 20 % Treibhausgase, 20 %
Anteil erneuerbarer Energie und 20 %  höhere Energieeffizienz. Im Gebäudebereich regelt die EU-Gebäuderichtlinie neu in ihren Kernpunkten:
- Mindestanforderungen an Energieeffizienz von Gebäuden und Bauteilen;
- Reduktion des Primärenergiebedarfs und des CO2-Ausstoßes von Gebäuden;
- Einsatz erneuerbarer Energiesysteme.
 - Ab 31.12.2020 müssen alle neuen Gebäude »Fast-Nullenergie-Gebäude« sein, öffentliche Gebäude müssen die Klimaziele schon 2018 erreichen.

Die Massivbauweise entwickelt im Lichte dieser Anforderungen neue Konzepte, um die Vorteile mineralischer Baustoffe in den Bauweisen der Zukunft zum Tragen zu bringen.

Massive Gebäude der Gegenwart und Zukunft benötigen durch die intelligente Kombination von Gebäudehüllen im Passivhaus- oder Niedrigenergiehausstandard und die Nutzung der vorhandenen Speichermassen wenig Wärme, nutzen mittels Bauteilaktivierung die Erdtemperatur zum Heizen/Kühlen und haben eine optimierte Haustechnik.

Moderne Bauweisen, um den CO2-Ausstoß von Gebäuden zu verringern, die Energieeffizienz zu steigern und den Umstieg von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern zu forcieren, könnten wie folgt aussehen:
- Gebäudehülle auf Niedrigenergie- oder Passivhausniveau mit Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen (Sonne, Erdwärme)
- alternative Ansätze als Kombination von Maßnahmen, die der CO2-Einsparung und Energieeffizienz dienen (z.B. »Sonnenhaus-Konzept«)
- Plus-Energiehaus Konzepte (Gebäude als Kleinkraftwerke)
- Bauweisen unter besonderer Ausnutzung der Speichermasse (Bauteilaktivierung und sommerlicher Überwärmungsschutz)

Die meisten dieser Konzepte können sowohl in Neubau- wie auch in Sanierungsprojekten zum Einsatz gebracht werden.
Richtungsweisend für die Entwicklung im Gebäudedesign wie auch in der Städteplanung wird der neue Stadtteil Wiens, Seestadt Aspern, sein. Im 22. Gemeindebezirk entsteht in den nächsten 20 Jahren auf 240 Hektar ein urbaner Stadtteil für rund 20.000 Bewohner mit ebenso vielen Arbeitsplätzen. Dazu gehört auch der Wunsch nach einer energiesparenden, nachhaltigen Bauweise und hellen Wohnungen mit dazu gehörigen Freiräumen. Außerdem erlaubt es die hohe Anzahl an Bauplätzen der Stadt Wien, unterschiedliche energetische Systeme bzw. Baustoffe unter gleichen Bedingungen auf lange Sicht vergleichen zu können.
Mineralische Baustoffe erfüllen aufgrund ihrer Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit sowie aufgrund ihrer Speichermasse schon heute alle Anforderungen an ein energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Gleichzeitig werden die Bauprodukte ständig optimiert und weiterentwickelt, um den Anforderungen der neuen Bauweisen gerecht zu werden. In einer Nachhaltigkeitsbetrachtung über die Lebensphase eines Gebäudes kommen die Vorteile der Massivbauweise gegenüber alternativen Bauweisen besonders zur Geltung, wie die Ergebnisse des Forschungsprojekts »Nachhaltigkeit massiv« des Fachverbands Steine-Keramik belegen.

Zur Person: Dr. Carl Hennrich, Geschäftsführer des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie.

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...

Log in or Sign up