Freitag, April 04, 2025
Ukraine-Krieg und Gaskrise: Umsetzung der Energiewende gefordert

Der Dachverband Erneuerbaren Energie Österreich (EEÖ) fordert im Lichte der dramatischen Situation in der Ukraine rasches und konsequentes Handeln, um Österreich von der Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu lösen: „Wir müssen uns schnellstmöglich von dieser Erpressbarkeit und Abhängigkeit lossagen, damit wir für Österreichs Bevölkerung und Wirtschaft Sicherheit und Stabilität gewährleisten können. Auch in moralischer Hinsicht ist es nicht mehr tragbar, durch Gasimporte russische Kriegshandlungen und Drohgebärden zu finanzieren!“ so Christoph Wagner, Präsident des EEÖ. Der Dachverband wird die drei vorgeschlagenen Schritte bei einem persönlichen Termin an Bundesministerin Gewessler übergeben.

Umgehend müsse auf allen Ebenen intensiv daran gearbeitet werden, einen raschen Ausstieg aus fossilem Gas zu schaffen und parallel dazu die inländische Bereitstellung an erneuerbaren Energien und erneuerbaren Gasen zu fördern. Wagner betont: „Russische Gasimporte lediglich durch jene aus anderen Ländern zu ersetzen, wie es etwa von WKÖ-Generalsekretär Kopf gefordert, ist fahrlässig. Eine Verlagerung der Abhängigkeit ändert nichts am Problem. Die Wirtschaftskammer sollte sich jetzt mit aller Kraft für den Ausstieg aus dem Gas und für die heimische Wirtschaft der erneuerbaren Energien einsetzen. Das Zeitalter der unbeschwerten Erdgasnutzung ist vorbei! Kurzfristig schafft ein Ersatz aus anderen Staaten Linderung. Aber gerade mit jenen Staaten, die hier in Frage kämen, ersetzt man vielfach den Teufel mit dem Beelzebub.“

Kurzfristige Maßnahmen müssen nun die Kontinuität der Energieversorgung sicherstellen. Für Österreichs Haushalte braucht es die Sicherstellung der Wärmeversorgung im nächsten Winter, für Wirtschaftsbetriebe die Aufrechterhaltung des Betriebes und für die Stromversorgung muss die Ausfallssicherung gewährleistet sein. Mittelfristige Ziele müssen aber die entschlossene Energiewende im Fokus haben, da nur diese langfristige Stabilität und Sicherheit bieten kann. „Dies fordert jetzt das Zünden eines Turbos beim Ausbau der erneuerbaren Energien“, fordert Wagner. Investitionen in die Schaffung von Infrastruktur für die Lieferungen von LNG im großen Stil seien nicht nachhaltig und sollten besser in die rasche komplette Auflösung der Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern fließen. Der EEÖ sieht daher folgenden dringenden Handlungsbedarf: Die bereits im Regierungsprogramm festgehaltenen Ziele von 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Ressourcen, 5 TWh erneuerbares Gas und die vollständige Dekarbonisierung bis 2040 müssen nun endlich umgesetzt und jetzt begonnen werden.

Von entscheidender Bedeutung für die Umsetzung der Energiewende sind die Bundesländer, so der Verband. "Gerade hier sind noch viele Versäumnisse und eine viel zu abwartende Haltung in Sachen Energiewende auszumachen, wie auch eine aktuelle Studie der Österreichischen Energieagentur zeigt. Die Bundesländer haben umfassende Zuständigkeiten und Verantwortung und müssen diese wahrnehmen", heißt es. Angesichts der Dringlichkeit fordert der EEÖ von den Bundesländern ein, dass sie innerhalb der nächsten Wochen – bis Ende März - einen konkreten Umsetzungsplan vorlegen, mit dem die derzeitigen Lücken ihrer Pläne für die vollständige Dekarbonisierung der österreichischen Energieversorgung möglichst rasch gefüllt werden. Der EEÖ bemühe sich auch umgehend um einen Termin mit Landeshauptmann Wallner, welcher aktuell den Vorsitz der Landeshauptleutekonferenz führt.



Die Bundesländer können bereits jetzt die in ihrem Einfluss befindlichen Gesetze und Verordnungen auf den Weg bringen, betont Christoph Wagner (Bild oben, Credit: Kleinwasserkraft Österreich). So ist die Verantwortung für die Bauordnung (Sanieren, Heizen) vollständig in der Hand der Bundesländer.

"Die Ziele des Regierungsübereinkommens und vielfach geschaffene finanzielle Mittel bieten bereits jetzt eine ausreichende Grundlage für die notwendigen Aktivitäten auf Bundeslandebene. Werden die notwendigen Grundlagen auf Bundeslandebene nicht umgehend und parallel geschaffen, können auch dann folgende Bundesgesetze nicht greifen und weitere unnötige Verzögerungen würden entstehen, und somit die Abhängigkeit vom Erdgas unnötig verlängert", so Wagner.

Mit den angeführten Maßnahmen sichere Österreich die Energieversorgung nachhaltig ab und schaffe Stabilität in der Versorgung und in den Preisen. Nur die in der EU erzeugte Energie könne "langfristig stabile, kalkulierbare Kosten garantieren". Beides ist Grundvoraussetzung für einen attraktiven Wirtschaftsstandort in Österreich. Sie dienen auch der Erreichung der Klimaschutzziele und sind damit Vorsorge für weitere Krisen.

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...

Log in or Sign up