Freitag, April 04, 2025
Fragen an die Politik: BIM-Ausbildung
V.l.: Fragensteller Peter Riemer, BIM-Manager bei Hilti, sowie Antwortgeber Bildungsminister Martin Polaschek und Digitalisierungs-Staatssekretär Florian Tursky. (Credit: beigestellt, BKA, Andy Wenze)

In der Rubrik »Fragen an die Politik« haben Vertreter*innen der Bau- und Immobilienwirtschaft die Möglichkeit, konkrete Fragen an Spitzenpolitiker*innen zu richten. Dieses Mal fragt Peter Riemer, BIM-Manager bei Hilti Austria: Warum hinkt die Ausbildung beim Thema BIM hinterher? Und warum wird BIM bei öffentlichen Bauten noch nicht genutzt? Bildungsminister Martin Polaschek und Digitalisierungs-Staatssekretär Florian Tursky antworten. 

Peter Riemer, 
BIM Manager Hilti Austria

»Der Fachkräftemangel auf Baustellen wird immer größer. Bauverzögerungen und Kostenexplosionen stehen auf der Tagesordnung. Die Digitalisierung hält immer mehr Einzug in unser Leben und vor allem die jüngeren Generationen orientieren sich daran. BIM ist eine weit entwickelte Methode, um Objekte zu planen, zu bauen und zu betreiben und das innerhalb der technischen, zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen – BIM zu forcieren, verlagert die Aufwände von der Baustelle in das Büro und die Leidenschaft der jüngeren Generation an der Digitalisierung würde zudem gestillt werden.

Um das volle Potenzial von BIM auch in Richtung Modularisierung und ressourcenschonendem Betrieb nutzen zu können, müsste man gezielt von der generischen zur produktspezifischen Planung und Ausschreibung übergehen. Denn nur so kann das Leistungsversprechen der Planung und Ausschreibung in der Ausführung und dem realen Betrieb eingehalten werden.«


»Warum hinkt die Ausbildung an Technischen Lehranstalten, Hochschulen und Universitäten der realen Entwicklung und den Bedarfen am Markt hinterher? Sind Maßnahmen geplant, dies zu ändern?«

Martin Polaschek
Minister für Bildung, Wissenschaft und Forschung

»Natürlich berücksichtigen wir bei der Ausbildung, v. a. im technischen Bereich, stets die Bedarfe von Wirtschaft und Praxis. Das österreichische Bildungswesen ist ja auch für seine praxisnahe Ausbildung bekannt. Aktuell arbeiten wir intensiv an der Implementierung von CAD und BIM als nächster Evolutionsstufe. CAD brachte primär eine Werkzeugveränderung mit sich, während die interdisziplinäre BIM-Ausbildung tiefgreifende Anpassungen erfordert.

Durch pädagogische Konzepte wie fachübergreifende Projekttage, cloudbasierte Zusammenarbeit, praxisnahe BIM-Rollenspiele, Modellüberprüfung und modellbasierte Kommunikation in der Sekundarstufe II (HTLs) wird die Wichtigkeit des Themas hervorgehoben. Auch IT, Robotik, CNC und 3D-Betondruck werden vermehrt in die Ausbildung integriert. Zusätzlich gibt es Angebote für Spezialschulungen und internationale BIM-Zertifizierungen. Verschiedene Bildungseinrichtungen veranstalten außerdem seit Jahren Symposien und Kongresse in Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Wissenschaft und Behörden. Lehrende nehmen an Schulungsprogrammen und Zertifizierungen teil und sind in BIM-Normungs-Gremien aktiv.

Um die Qualität dieser Prozesse sicherzustellen und eine Vernetzung der Standorte zu gewährleisten, wurde zudem eine österreichweite Arbeitsgruppe gegründet. Expert/inn/en des sekundären und tertiären Bildungsbereichs sowie der österreichischen Bauwirtschaft, der Software-Branche und der Normungs- und Zertifizierungseinrichtungen sind bei der Erstellung von Standards, interdisziplinären Semesterarbeitsplänen und Lehrplänen beratend tätig und werden auch schulautonom verstärkt in den Unterricht eingebunden. Somit ist die schnelle Entwicklung von zielführendem Unterricht mit aktueller Einbindung der Wirtschaft für die Zukunft gegeben. Zusätzlich werden die Schulgebäude mit entscheidender Infrastruktur wie Breitband-Internet, WLAN und modernen audiovisuellen Unterrichtshilfen ausgestattet. Die Implementierung von BIM in die Ausbildung ist insgesamt bereits weit fortgeschritten, weitere zukunftsorientierte Schritte sind in Planung.«


»Warum wird bei öffentlichen Projekten das Optimierungspotenzial von BIM, wenn es um die digitale Planung als exaktes Abbild der später folgenden realen Ausführung und den Betrieb von Objekten geht, nicht genutzt?«

Florian Tursky, 
Staatsekretär für Digitalisierung

»Die Digitalisierung schreitet auch im Bauwesen mit großen Schritten voran. Sie ist somit nicht nur ein Trend, sondern eine konkrete Entwicklung der gesamten Baubranche, die alle beteiligten Akteure betrifft. Diese Chancen der Digitalisierung müssen wir nutzen und das Potenzial voll ausschöpfen. Dafür bietet Building Information Modeling (BIM) die besten Voraussetzungen.

BIM steht heute im Mittelpunkt der digitalen Transformation der Branche. Es ist die Antwort der Bauwirtschaft auf die rasante Digitalisierungsentwicklung in dem Sektor und bildet die Grundlage für die digitale Transformation in der Architektur, im Ingenieur- und im Bauwesen. Denn es ist nicht nur eine Planungsmethode, sondern eine ganz neue Möglichkeit, Bauprojekte abzuwickeln. Gleichzeitig muss die Ausbildung potenzieller Baufachkräfte um die digitale Komponente erweitert werden. Wichtig ist damit eine standardisierte BIM-Ausbildung in Europa.

Hier ist Österreich bereits auf dem besten Weg, sich als Vorreiter zu positionieren. buildingSMART Austria arbeitet ja beispielsweise unter anderem mit mehreren HTLs, FHs, der Technischen Universität Wien und der Technischen Universität Graz sowie mehreren KMUs an dem Projekt »BIM-Zert« zusammen, um eine hochwertige BIM-Ausbildung in Österreich zu fördern. BIM wird bereits bei vielen öffentlichen Projekten verwendet. Öffentliche Projekte stehen oft unter Denkmalschutz, daher verfolgt die Burghauptmannschaft Österreichs mit dem Projekt »BIMherit« die Erstellung eines Leitfadens zur Einführung von BIM speziell für historische Gebäude. Basis dafür sind die BIM-Definition und -Funktionen für Cultural Heritage, die Ableitung und Festlegung von BIM-Schnittstellen zu internen IT-Systemen und zu Auftragnehmerinnen und Auftragnehmern.

Der wirtschaftliche Wohlstand der Bauwirtschaft ist allein aufgrund der Größe des Sektors von enormer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Österreich. Aus Sicht des Staatssekretärs für Digitalisierung sollte daher wie in allen Wirtschaftsbereichen das Optimierungspotenzial der Digitalisierung – wie beispielsweise von BIM im öffentlichen Baubereich – genutzt werden, um unseren Wirtschaftsstandort weiter zu stärken.«

(Fotos: beigestellt, BKA, Andy Wenze)

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