Samstag, April 05, 2025
Porträt: Erfolg mit Nachhaltigkeit
Monika Leithäusl ist überzeugt von der Zukunft einer Viertagewoche mit reduzierten Arbeitszeiten, um den Bausektor attraktiver zu machen. (Credit: Wirlphoto/Barbara Wirl)

Nachhaltigkeit ist das Erfolgsrezept des Tiefbauunternehmens Leithäusl. Ökologie und Ökonomie gehen dabei für Geschäftsführerin Monika Leithäusl Hand in Hand. Teil 15 der Serie »Frauen in der Bauwirtschaft«.

Je kürzer und effizienter Maschinen im Einsatz sind, desto besser für Umwelt und profitabler für ein Unternehmen – Leithäusl setzt dieses Motto um. Im März 2022 hat das Tiefbauunternehmen die Viertagewoche sowohl im Büro als auch auf der Baustelle eingeführt, Ausnahmen gibt es lediglich, wenn der Auftraggeber auf Freitag-Arbeit besteht. Geschäftsführerin Monika Leithäusl erinnert sich: »Wir sind zuerst mit der Idee an unsere Führungskräfte herangetreten. Erstes Feedback war, dass das nicht umzusetzen ist, die Skepsis war recht hoch. Bei den Gesprächen mit den Mitarbeiter*innen war die Stimmung dagegen von Anfang an bei allen Altersgruppen positiv.«

Das Unternehmen hat im März 2022 die neue Strategie als Pilotprojekt für ein Jahr gestartet, mittlerweile ist die Viertagewoche voll integriert. Die Wochenarbeitszeit wird dabei nicht weniger, sie ist nur anders verteilt. »Prinzipiell funktioniert es sehr gut«, erstellt Leithäusl ein sehr gutes Zeugnis und verweist auf die nochmalige Umfrage im vergangenen November. Auf die Frage, ob eine Rückkehr zum alten System erfolgen soll, antworteten 95 Prozent der Mitarbeiter*innen ablehnend. Die Zukunft kann laut Monika Leithäusl sogar noch weitergehen: in Richtung Viertagewoche mit reduzierter Arbeitszeit, um den Bau attraktiver machen.

»Man muss neue Ideen und Strukturen testen, es einfach versuchen«, ist die 42-jährige überzeugt, die in Ausschüssen der Wirtschaftskammer Niederösterreich und Österreich mitarbeitet und immer wieder auf ihr Arbeitszeitmodell angesprochen wird. Allfällige Anpassungen versucht die Tiefbaufirma bei regelmäßigen Treffen wie z. B. dem Ausbilderfrühstück zu finden. »Hier diskutieren wir gemeinsam mit unseren Ausbildnern (Poliere) Probleme und Herausforderungen für die jungen Mitarbeiter*innen. Und wir suchen Lösungen und Ideen zu den Themen Lehre und Förderung des Nachwuchses«, berichtet die Unternehmerin.

Profit für Leithäusl

Die Sparte Bau wird hauptsächlich verbunden mit harter und schwerer Arbeit, der Fachkräftemangel blüht. Um zusätzliches Personal zu finden, braucht es neue Strukturen. »Bereits in den ersten Monaten nach der Einführung der Viertagewoche haben wir eine deutliche Steigerung der Bewerbungseingänge verzeichnet, auch die Medienpräsenz hat sich erhöht«, zeigt sich Leithäusl vom Modell überzeugt und verweist auch auf die ökologischen Auswirkungen. »Nach einem Jahr haben wir im Nutzfahrzeugbereich 202.519 Fahrkilometer und 72 Tonnen CO2-Emissionen eingespart.« Der damit verbundene ökonomische Effekt lässt sich sehen: 50.160 Euro Kostenersparnis bei Treibstoff und 109.360 Euro bei Abnutzung, Reifen und Service. Internationale Studien bestätigen die Vorzüge eines freien Freitags – der Stromverbrauch in Büros sinkt, ebenso der Pendelverkehr, der Konsum wird klimafreundlicher, mehr Freizeit stärkt die Gesundheit.

Nachhaltiger Umgang

»Wir haben sehr gute und loyale Mitarbeiter, die hinter der Marke stehen. Es zählen Namen und Personen, nicht nur der Konzern.« Dieses familiäre Klima war ein Grund für Leithäusl, die heute mit Partner, zwei Kindern und einem jungen Golden Retriever in Perchtoldsdorf wohnt, im Unternehmen zu starten. Zunächst hatte die 42-jährige Pädagogik studiert, war einige Zeit in der Bildungspolitik tätig, hat daran das Studium der Unternehmensführung angeschlossen und im Bankenbereich als Projektleiterin gearbeitet. Seit 2005 ist sie in der dritten Generation in der Geschäftsführung von Leithäusl. Die aktuelle Auftragslage bewertet sie wieder als ganz gut. »Letztes Jahr war mit den gestiegenen Preisen eine schwierige Zeit. Leider zählt noch immer das Billigstbieterprinzip, weshalb wir sehr effizient arbeiten müssen. Hier haben wir durch langjährige und sehr erfahrene Mitarbeiter einen großen Vorteil.«


In der nächsten Ausgabe: Ulrike Rabmer-Koller, CEO Rabmer Gruppe

Weitere Teile unserer Reihe: www.report.at/tag/frauen-in-der-bauwirtschaft

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