Freitag, April 04, 2025

400.000 Tonnen Bauschutt fallen im Durchschnitt jährlich in der Recyclinganlage Himberg an. Porr hat dort eine innovative Verarbeitung für Mineralwoll­abfälle entwickelt und patentiert.

Im Zuge des ressourcenschonenden Bauens gewinnt die Verwendung von Recyclingbaustoffen in der Bauwirtschaft zunehmend an Bedeutung. »Es gibt bereits hunderte kleine, lokale Recyclingwerke, die aber meist nur auf einen Baustoff spezialisiert sind«, betont Zeljko Vocinkic, Geschäftsführer von Porr Bau. Das Recycling Center in Himberg, RCH, umfasst eine Vielzahl von Materialverfahren und ist mit 87.000 m² die größte Anlage Österreichs.

Besonders gut und effizient funktioniert das Recycling von Beton, der als Recycling-Beton weiter genutzt wird, sowie von Ziegeln, die zu einem pflanzenfreundlichen Dachsubstrat verarbeitet werden, das zur Begrünung von Dächern eingesetzt wird. Recycling-Beton wird etwa für Liefer-Beton verwendet, dasselbe passiert mit Asphalt. »Der Bauschutt wird von Porr und Fremdfirmen angeliefert – diese Baurestmassen werden lose geliefert und vor Ort gesäubert. Im Idealfall nehmen an Spitzentagen bis zu 300 LKW bereits qualitativ hochwertig gefertigte Recyclingprodukte gleich wieder für die Bauwirtschaft mit«, informiert Geschäftsführer Günter Mayer. Durchschnittlich seien es 100 LKW täglich, bis zu 700.000 Tonnen Baurestmassen können verarbeitet werden. Derzeit entsteht eine Halle zur Aufbereitung von Glas, die Wiederverwendung von Gips wird vorangetrieben.

Dämmstoff mit Zukunft

Energiesparen ist im Bauwesen gleichbedeutend mit Dämmstoffen. 2021 gab es gegenüber dem Vorjahr beim Verbau von Dämmstoffen ein Plus von 5,7 Prozent (6,3 Millionen m3). Der Anteil von Mineralwolle umfasst dabei 2,45 Millonen m², die geschätzte Abfallmenge liegt bei derzeit ca. 24.000 Tonnen pro Jahr. Bis 1996 hergestellte Mineralwolle, die vor allem bei Abrissarbeiten älterer Gebäude anfällt, ist als krebserregend und damit gefährlicher Abfall eingestuft. Da Mineralwolle sehr leicht und voluminös ist, verbraucht sie viel Deponievolumen und ist wenig standsicher. Ab 2026 ist zudem die Deponierung unbehandelter Mineralwolle verboten, Verbrennen ist auch nicht möglich.

Big Bags mit als gefährlich eingestufter Mineralwolle dürfen nicht geöffnet werden. »Wir rufen zu sortenreiner Lieferung auf«, betont Betriebsleiter René Trauner. Störstoffe wie Eisen müssen getrennt werden, bilden sie doch einen finanziellen Mehrwert.

Mit der neuen patentierten Anlage werden im Recycling Center Himberg gefährliche Mineralwollabfälle deponiefähig. Das Material wird zerkleinert, mit Zusatzstoffen versetzt und damit das Volumen um bis zu 80 Prozent reduziert. Die Anlage ist dabei geschlossen, die Luft wird vollständig abgesaugt und gefiltert, damit es zu keinen Faseremissionen kommt. In einem nächsten Schritt arbeitet Porr mit den Herstellern von Mineralwolle an der Vereinheitlichung der Rezepte, damit Mineralwolle künftig in die Produktion rückgeführt werden kann. Die unterschiedliche Zusammensetzung verunmöglicht derzeit eine Rückführung in die Baupraxis. »Die Wiederverwendung ist aber realistisch, der Gesetzgeber ist gefragt«, fordert Günter Mayer und verweist auf unzählige Projekte, die in der Forschungsabteilung von Porr Bau bereits laufen. 

(Bilder: Pressebüro Legat)

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