Samstag, April 05, 2025
Strategie, um Vorteile zu sichern
Ehrlichkeit siegt: Niemand erwartet von den Unternehmen perfekte Berichte – aber ehrlich müssen sie sein. (Fotocredit: iStock)

Unternehmen, die sich frühzeitig und strategisch mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, können sich Vorteile gegenüber dem Mitbewerb sichern, Mitarbeiter*innen besser binden und die Kapitalkosten niedrig halten. 

Text: Michael Dessulemoustier-Bovekercke & Maria Riegler, Mazars Austria

Unternehmen sind zunehmend gefordert, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen: Einerseits erwarten wichtige Stakeholder wie Mitarbeitende und Kund*innen, dass Unternehmen auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Andererseits verpflichtet die neue Regulatorik im Bereich ESG (Environment, Social, Governance) vor allem große und mittelgroße Unternehmen dazu, umfassend und mit hoher Informationsqualität über Nachhaltigkeitsaspekte zu berichten. Zusätzlich zu den Pflichten im Bereich Nachhaltigkeitsberichterstattung wird das Thema Lieferkette in den nächsten Jahren deutlich an Relevanz gewinnen. Auch Unternehmen, die selbst (noch) nicht in den Geltungsbereich der Berichterstattungspflichten fallen, sind zunehmend mit Informationsabfragen – beispielsweise seitens Business-Kund*innen oder Investor*innen –  konfrontiert.

Mit Maß und Ziel

In diesem Kontext ist es erfolgsentscheidend, nicht rein auf die Regulatorik zu reagieren, sondern diese frühzeitig als Anlass zu nutzen, sich strategisch mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Wenn Unternehmen Nachhaltigkeit in ihre Gesamtstrategie integrieren und eine effektive Governance-Struktur für ESG-Themen aufbauen, können sie daraus zahlreiche Vorteile gewinnen – von Vorreiter-Vorteilen gegenüber Mitbewerbern über die Nutzung von Win-win-Potenzialen (indem gezielt nach Möglichkeiten gesucht wird, einen positiven sozialen oder ökologischen Impact mit ökonomischen Vorteilen zu verbinden) oder erhöhter Mitarbeiter*innenmotivation bis hin zu niedrigeren Kapitalkosten.

Die Umsetzung der Berichterstattungspflichten sollte gleichzeitig mit Maß und Ziel verfolgt werden: Niemand erwartet von den Unternehmen perfekte Berichte – aber ehrlich müssen sie sein. Im Kontrast zu den bisher oft blumig formulierten und anekdotischen Nachhaltigkeitsberichten verlangt die neue Regulatorik von Unternehmen eine strukturierte Berichterstattung über korrekte, präzise beschriebene, verständliche und prüfbare Informationen. In den beiden Kästen finden Sie die wesentlichsten Dos und Don’ts in diesem Zusammenhang.


Checkliste

Doʼs:

  • Erarbeitung der wirklich wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen
  • Fokus auf das Wesentliche: Konzentration in der Umsetzung von ESG-Maßnahmen und in der Kommunikation über ESG-Themen auf 3-5 wesentliche Bereiche
  • Unterstützung holen, wenn die personellen Ressourcen oder die Expertise im Haus nicht vorhanden sind
  • Einbettung in die allgemeine Unternehmensstrategie: konkrete Ziele definieren und ESG in der Governancestruktur verankern
  • Datenmanagement organisieren, sodass erforderliche Zahlen und KPIs wie bei der Finanzberichterstattung möglichst automatisiert abgefragt werden können 

Donʼts:

  • Eine Aufzählung von Aktivitäten ohne Konzept dahinter
  • Greenwashing, beispielsweise durch Hervorhebung von sozialen und umweltbezogenen Einzelmaßnahmen (zB Bienenstöcke am Dach)
  • Allgemeine Inhalte, die keine Aussage zum Unternehmen beinhalten (zB allgemeine Statements zum Thema digitale Transformation)
  • Negierung gesetzlicher Anforderungen, nur um dann in letzter Sekunde schnell etwas zu Papier zu bringen

Über Mazars Austria

(Foto: mazars)

Mazars Austria ist eine der größten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzleien in Österreich mit Standorten in Wien und Krems. Mazars Austria ist Mitglied der Science Based Targets initiative (SBTi) sowie des Global Compact der Vereinten Nationen.

Weitere Informationen: www.mazars.at

 

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...

REPORT | Meistgelesen

Log in or Sign up