Donnerstag, April 03, 2025
Passivhäuser müssen keine Würfel sein. Im Weinviertel wird ein Passivhaus in traditioneller Hakenhofform mit Steildach errichtet. Gedämmt wird mit Stroh. Damit wird eine Energiekennzahl von 10 kWhm² erreicht.

Die Aufgabe für Heinrich Schuller von Atos Architekten war nicht ganz einfach. Die Bauherrin wollte ihre regionalen Wurzeln auch architektonisch nicht verleugnen, bautechnisch aber am Puls der Zeit sein. Das Ergebnis sollte ein traditioneller Hof in Hakenform und Passivhausstandard sein. Architekt und Bauherrin entschieden sich für einen geschützten Innenhof, 35 und 48 Grad steile Satteldächer, gegen einen Keller und für Stroh als Dämmstoff.

Das Konzept
Auf einer Dichtbetonfundamentplatte wurden die vorgefertigten Holzrahmenwände mit den bereits eingebauten Strohballen aufgesetzt. Die Fußbodenkonstruktion besteht aus demselben Aufbau mit 37 Zentimetern Strohballen und Dämmständern. Das Steildach ist ebenfalls vorgefertigt, hat allerdings eine Dämmstoffdicke von 50 Zentimetern. Die Holzbalken-Zwischendecke wurde mit trockenem Kies und losem Stroh gefüllt.
Die Außenwände wurden innenseitig mit Wandheizung und Putz versehen. Alle anderen Innenflächen sind im Trockenbau verkleidet. Die Feuermauer besteht aus Holz mit einer vorgesetzten, selbst tragenden Stahlbetonfertigteilwand. Strangfalzziegel bedecken das Dach bzw. Kautschukfolie die Flachdächer. Der Laubengang wird mit lichtdurchlässigen Polycarbonat-Wellplatten gedeckt.
Im Technikraum des Wohnhauses bezieht eine 5kW-Wärmepumpe ihre Energie aus einer 300 Meter langen Solewärmetauscherleitung die auf einer Fläche von 220 m² in einer Tiefe von 150 cm verlegt ist. Die Wärmeabgabe erfolgt über 120 m² Wandheizflächen an den Außenwänden. Jeder Raum kann individuell geregelt werden. So wird eine Ener­giekennzahl von 10 kWh/m² erreicht. Die Heizkosten sollen sich auf lediglich zwei Euro pro Quadratmeter und Jahr belaufen.
Eine Lüftungsanlage soll im gesamten Haus für frische und saubere Luft sorgen. Um Trinkwasser zu sparen, sammelt eine 6.000-Liter-Zisterne die Dachwässer, welche für WC-Spülungen und Gartenwasser genutzt werden.

Weit verbreitete Skepsis
Wird mit Stroh gedämmt, stellt sich natürlich auch die Frage der Beständigkeit gegenüber Nagetieren und Insekten. Die Angst, sich mit dem Dämmstoff Stroh einen kleinen Zoo zu züchten ist allerdings unbegründet. Laut Atos Architekten haben Untersuchungen an alten und neuen Strohballenhäusern keine Hinweise auf Schäden durch Nagetiere oder Insekten gezeigt. Kompakt gepresste Strohballen würden Nagern weder Angriffsfläche noch Nisthöhlen bieten. Im Gegenteil: Die Zwischenräume sind sogar kleiner als bei konventionell gedämmten Bauten.

Dämmstoff Stroh
Ökologisch ist Stroh als Dämmstoff unschlagbar. Ökonomisch hängt die Bewertung laut Heinrich Schuller von Atos Architekten sehr von den Rahmenbedingungen ab. Ist das Stroh in unmittelbarer Nähe des Einbauortes vorhanden und wird der Einbau noch dazu in Eigenleistung gemacht, kann man deutliche Einsparungen gegenüber anderen Dämmstoffen erzielen. Muss das Stroh per LKW transportiert und vom Zimmermann eingebaut werden, egalisiert sich der ökonomische Vorteil gegen Null.

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