Samstag, April 05, 2025



Der Leitungsbetreiber Gas Connect Austria entwickelt Projekte für neue Transportrouten - beispielsweise die West-Austria-Gasleitung. "Das Projekt WAG Loop kann die Versorgungssicherheit signifikant erhöhen und in Zukunft den Transport großer Mengen an Wasserstoff ermöglichen", heißt es in einer Aussendung.

Wie können wir uns auf ausbleibende Gaslieferungen aus Russland vorbereiten? Wie ermöglichen wir die Zufuhr von Gas aus europäischen Märkten? Und wie machen wir unser Land fit für die Energiezukunft? Ein Teil der Lösung sind neue Transportrouten. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Projekt WAG Loop. "Seine Umsetzung würde die Kapazität der West-Austria-Gasleitung (WAG) um mehr als zwei Drittel erhöhen und den gleichzeitigen Transport von Erdgas und Wasserstoff erlauben", so der Wortlaut eines Marktkommentars von Gas Connect Austria.

Mit dem Lückenschluss der gesamten noch fehlenden 100 Kilometer hätte die WAG in Zukunft zwei durchgehende, parallel geführte („geloopte“) Leitungsstränge. Die Erweiterung könnte mittelfristig Engpässe ausgleichen, wenn russisches Gas ausbleibt und könnte auch in Stufen vorgenommen werden. „Wir brauchen einen Ausbau der West-Ost-Kapazitäten – und zwar so rasch wie möglich. Jeder Tag, den wir in Österreich weiter zuwarten, kann uns in einer Gasmangellage später Probleme bereiten“, betont Harald Stindl, Geschäftsführer von Gas Connect Austria (GCA). Denn aufgrund der vielen erforderlichen Schritte – vom Wegerecht bis zur Umweltverträglichkeitsprüfung – kann die Umsetzung ohne gesetzliche Erleichterungen mehrere Jahre dauern.

Der kürzlich veröffentlichte Jahresausblick der ENTSOG zur Gasversorgung 2022/23 untermauert die Notwendigkeit des Projekts. Darin bekräftigt der Verband Europäischer Fernleitungsnetzbetreiber für Gas die wesentliche Rolle der Gasinfrastruktur für die sichere Energieversorgung in Europa. Für den Bericht wurde zum Erstellungszeitpunkt angenommen, dass vom 1. Juli bis 1. September 2022 kein Gas aus Russland fließt. Die Folgen wären gravierend: Die meisten europäischen Gasspeicher wären bereits im Winter 2022/23 erschöpft. Und auch im Sommer 2023 würden es viele europäische Länder nicht schaffen, die Gasspeicher für den folgenden Winter ausreichend zu füllen. Als Gegenmaßnahme empfiehlt die ENTSOG unter anderem den Ausbau der europäischen Transportkapazitäten.

Mehr LNG aus Europa

Durch den Ausbau der West-Austria-Gasleitung und vorgelagerter Netze wäre die verstärkte Versorgung Österreichs mit LNG (liquefied natural gas = verflüssigtes Erdgas) möglich – sowohl durch in Nordwesteuropa anlandendes LNG als auch durch Nordseegas über Deutschland. Mit den bestehenden LNG-Terminals in Nordwesteuropa und der geplanten Errichtung von LNG-Terminals in Deutschland 2023 gibt es mittelfristig großes Potenzial dafür.

Dazu kommt: Der WAG Loop käme auch dem gestiegenen Interesse an der Gasbeförderung von Deutschland nach Österreich entgegen. Bei den letzten Auktionen für Transportkapazitäten im Juli und August 2022 gab es eine sehr hohe Nachfrage an den Einspeisepunkten Oberkappel und Überackern. „Derzeit sind die Kapazitäten der West-Austria-Gasleitung bereits ausgeschöpft, die Nachfrage übersteigt das Angebot um ein Vielfaches“, sagt Stefan Königshofer, Leiter der Abteilung Sales Transmission & Distribution bei Gas Connect Austria. Auch von Österreich in Richtung Ungarn sind die Kapazitäten stark nachgefragt und bereits gut gebucht.

Das bringt der WAG Loop

- Erhöhung der Transportkapazitäten West-Ost von 0,94 auf 1,6 Mio. m³/h
- das ist ein Plus von 5,78 Mrd. m³/Jahr bei 100% Auslastung.
- das entspricht 64,70 TWh Energie

"Ausbau der Gasleitungen drängt"

Der marktgerechte Ausbau des Leitungsnetzes ist eine wichtige Aufgabe von Gas Connect Austria. Auf Basis der gemeldeten Marktnachfrage erstellt GCA jährlich einen Netzentwicklungsplan (siehe Verordnung (EU) 2017/459). Doch angesichts der geopolitischen Unsicherheiten sowie der europäischen Klimaschutzvorgaben scheuen sich viele Abnehmer:innen derzeit vor verbindlichen Zusagen für neu zu schaffende Kapazitäten. Deshalb ist jetzt die Politik gefordert, im Sinne der Versorgungssicherheit, umgehend zu handeln. „Das Gasnetz muss rasch ausgebaut werden. Es gilt, die ausbleibende Marktnachfrage durch staatliche Förderungen oder Buchungen öffentlicher Organisationen auszugleichen und so die Umsetzung dringend notwendiger Projekte zu ermöglichen“, appelliert Harald Stindl.

Eine wesentliche Voraussetzung ist die Aufnahme österreichischer Gasinfrastrukturprojekte auf europäischer Ebene – etwa im Rahmen von REPowerEU oder als Vorhaben von gemeinsamem Interesse (Project of Common Interest, kurz: PCI). Das würde den Weg für EU-Förderungen ebnen. Aber auch Österreich sollte solche Projekte unterstützen, etwa durch Förderungen oder Rückgewinnungsgarantien für eingesetztes Kapital.

Ausblick: Energiewende und Wasserstoff

Selbst bei sinkendem Erdgasbedarf und weiteren REPowerEU-Maßnahmen wird in den nächsten zwei Jahrzehnten ein Ausbau der Transportrouten notwendig sein. Durch die Zunahme von Wind- und Sonnenkraft wird die Stromerzeugung immer volatiler. Erdgas kann bei Wetterschwankungen Verbrauchsspitzen abfedern und überschüssige erneuerbare Energie speichern. Daher wird Gas auch in Zukunft eine wesentliche Rolle für die sichere Stromversorgung spielen. Das erfordert eine entsprechende Infrastruktur – und dabei spielt die West-Austria Gasleitung eine bedeutende Rolle.

Die Umsetzung des WAG Loop ebnet zudem den Weg für den Transport von grünem Wasserstoff in größeren Mengen. Über das dann parallele Leitungssystem wären Erdgas und Wasserstoff gleichzeitig im Netz transportierbar. So könnte Wasserstoff – beispielsweise aus Nordafrika über Italien beziehungsweise Rumänien oder die Ukraine – nach Österreich gebracht und von hier in weitere Märkte wie Süddeutschland verteilt werden. Das schafft die Basis für die im European Hydrogen Backbone vorgesehenen Wasserstoff-Transportkorridore. Zudem wäre so auch eine Versorgung der Industrie im Großraum Linz sowie der Raffinerie Schwechat mit erneuerbarer Energie möglich.

Das Projekt WAG Loop

Die seit 1980 betriebene WAG ist eine der wichtigsten Ferngasleitungen in Österreich. Sie verläuft auf 245 Kilometern Länge von der Grenze zur Slowakei im Osten bis zur Grenze nach Deutschland im Westen. Die WAG besteht aus einer durchgängigen Gasleitung und einer weiteren, großteils parallel verlaufenden („geloopten“) Leitung. Beide Stränge werden bidirektional betrieben. Das Projekt WAG Loop sieht die Ergänzung der noch fehlenden rund 100 Kilometer der parallelen Leitung vor.

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...

Log in or Sign up