Donnerstag, April 03, 2025
Die Wiener Bauordnungsnovelle - ein Überblick
Symbolbild (Credit: iStock)

Die Novelle der Wiener Bauordnung hat hohe Wellen geschlagen. Auf welche Neuerungen müssen sich Unternehmen jetzt konkret einstellen, und was spricht rechtlich dafür, was dagegen? Der Bau- und Immobilien-Report hat Immobilienrechtsexpertin Julia Fritz um eine Übersicht gebeten.

Nach Veröffentlichung der Novelle hatte vor allem die weitere Einschränkung der touristischen Kurzzeitvermietung für Unmut gesorgt. Demnach dürfen Wohnungen nur noch für maximal 90 Tage im Jahr an Touristen vermietet werden, für alles andere wird es ab 1. Juli 2024 eine Ausnahmebewilligung brauchen. Dazu kommen noch weitere Einschränkungen wie die Untersagung von Kurzzeitvermietungen in Wohnzonen. Ein zu starker Eingriff in das Eigentumsrecht und in Teilen wirtschaftlich und technisch nicht umsetzbar, lauteten hier die Bedenken von rechtlicher Seite.

Doch in dem Papier sind noch zahlreiche weitere Neuheiten verpackt, zum Beispiel zum Thema Altbauschutz, Erneuerbare Energien-Anlagen, Bodenversiegelung, Baubewillgungen oder Widmungen. Was sie rechtlich bedeuten und welche Einwände es gibt, hat sich PHH-Partnerin und Immobilienrechtsexpertin Julia Fritz angesehen.


Thema: Altbauschutz

Bauordnung Wien aktuell: Der in der Bauordnungsnovelle 2018 eingeführte und in der Novelle 2021 angehobene Schutz von Altbauten wird entscheidend verschärft. Damit wird die verfassungsrechtlich garantierte Möglichkeit, aus wirtschaftlichen Gründen einen Abriss zuzulassen, eingeschränkt.

Neuerungen laut Gesetzesentwurf: Die Behörde wird nun selbst Gutachten zur Abbruchreife einholen (bisher wurden diese vom Antragsteller beigebracht). Es soll auch berücksichtigt werden, ob das Bauwerk etwa durch eine Aufkategorisierung besser genutzt werden könnte – so wird der wirtschaftliche Erhalt wahrscheinlicher. Zudem können Aufwendungen für eine Sanierung von Schäden bei einer vorsätzlichen Vernachlässigung des Hauses nicht mehr geltend gemacht werden. Weiters wird ein Gebäudepickerl eingeführt, welches die Schäden und Pläne zur Behebung dokumentiert. Neubaubewilligungen ohne Vorliegen einer Abbruchbewilligung wird es auch nicht mehr geben.

(Rechtliche) Einwände: Bedenken kommen vor allem aus der Immobilienwirtschaft, die eine Behinderung der Weiterentwicklung des Bestands und ein »Einfrieren« des Stadtbildes befürchtet.

Kommentar PHH: Die Bauordnung möchte mit der Verschärfung verhindern, dass Altbauten bewusst heruntergewirtschaftet werden, bis sie abbruchreif sind. Insofern sind die Bestrebungen nachvollziehbar. Allerdings haben gerade alte Gebäude oft finanzielle Schwierigkeiten, da einerseits die energietechnischen Anforderungen laut EU-Taxonomie nur schwer erfüllen und sie andererseits nur begrenzt Einnahmen aus Mieten erzielen können. Hier wären begleitenden Sanierungsförderungen wünschenswert, um die Besitzer zu entlasten und die Erhaltung attraktiver zu machen. 


Thema: Widmungen

Bauordnung Wien aktuell: Die bisherige Widmungspraxis führte dazu, dass Grundstücke »gehortet« wurden. Die Stadt Wien suchte nach Lösungen, um dem Anstieg von Grundstückpreisen sowie Spekulationen Einhalt zu gebieten

Neuerungen laut Gesetzesentwurf:Es wurde eine eigene Widmungskategorie für förderbaren Wohnbau geschaffen, und die Widmung als Bauland soll befristet gelten.

(Rechtliche) Einwände: Die AK möchte die Wirksamkeit der Widmungskategorie weiter verbessern und die Verpflichtung zur Errichtung von gefördertem Wohnbau von derzeit 2/3 auf mindestens 4/5 erhöhen.

Kommentar PHH: Der Wunsch der Arbeiterkammer ist rechtlich wohl kaum haltbar. Schon jetzt hat Wien einen hohen Anteil an geförderten Wohnungen. Es muss weiterhin legitim sein, privaten Wohnbau zuzulassen und diesem gute Rahmenbedingungen einzuräumen. 

Die gesamte Übersicht finden Sie hier im PDF-Format: Wiener Bauordnungsnovelle im Überblick


Über PHH Rechtsanwält:innen

Julia Fritz, Partnerin bei PHH Rechtsanwält:innen. (Foto: PHH)

PHH Rechtsanwält:innen ist eine der führenden Anwaltskanzleien für Wirtschaftsrecht in Österreich. Seit ihrer Gründung 2001 ist die Kanzlei stetig gewachsen und wurde international mehrfach ausgezeichnet. Die zehn PHH-Partner und mehr als 80 Mitarbeiter*innen arbeiten in Experten-Clustern, die von M&A über Prozessführung, Bank- und Finanzrecht, Steuerplanung bis hin zu Wirtschaftsstrafrecht reichen. PHH steht für persönliche und kompetente Beratung, Loyalität gegenüber Kunden und kreative Lösungsansätze.
https://www.phh.at 

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
05. Dezember 2024
Vor zehn Jahren eröffnete mit der AWS Europa (Frankfurt) Region die erste AWS-Region in Deutschland, die es Unternehmen aus dem DACH-Raum ermöglicht, ihre Rechenleistung und Speicher flexibel und kost...
Firmen | News
05. Dezember 2024
In der heutigen digitalen Welt eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, finanzielle Angelegenheiten effizient zu gestalten und dabei gleichzeitig Kosten zu sparen. Moderne Online-Tools unterstützen ni...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...

Log in or Sign up