Freitag, April 04, 2025

Als der Bau & Immobilien Report 2015 zum ersten Mal führende heimische Unternehmen nach ihrem Frauenanteil fragte, war das Ergebnis relativ ernüchternd. Auch heute sind Frauen noch stark unterrepräsentiert, aber es gibt einen leichten Aufwärtstrend. Vor allem die Führungsetagen sind deutlich weiblicher geworden. 

Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder die enormen Preis- und Kostensteigerungen gelten gemeinhin als die großen Herausforderungen der österreichischen Bauwirtschaft. Über allem schwebt aber das Damoklesschwert »Fachkräftemangel«.

Tipp: Die Ergebnisse unserer Umfrage im Detail finden Sie hier: Frauen am Bau - Detailergebnisse

In einer Umfrage des Bau & Immobilien Report im Dezember unter 35 Geschäftsführer*innen der Branche nannten 62 % den Fachkräftemangel als größte Herausforderung für 2023, erst dahinter folgten mit 54 % die hohen Energiepreise und mit 50 % die steigenden Baukosten (Mehrfachnennungen möglich). »Der Arbeitskräftemangel ist für unsere Branche die größte Wachstumsbremse«, sagt Martina Auer-Klass, Head of HR bei der Porr Group. »Wir könnten gruppenweit sofort 1.000 Stellen besetzen.«

Damit ist die Porr nicht alleine, es gibt aktuell kaum ein Unternehmen in der Baubranche, das nicht händeringend nach Personal sucht. Besonders akut ist die Situation in den sogenannten MINT-Fächern, also in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Gerade in diesen Bereichen liegt ein nicht unwesentliches Arbeitskräftepotenzial weitgehend brach. Je nach Quelle sind gerade einmal 13 bis 15 Prozent der technischen Fachkräfte in Österreich weiblich – Tendenz stagnierend. Noch geringer ist der Frauenanteil in der Baubranche. Das zeigt die seit 2015 alle zwei Jahre durchgeführte Umfrage des Bau & Immobilien Report unter führenden Unternehmen quer durch die Branche.

Gegenüber 2015 ist der Frauenanteil in den Führungsetagen und im technischen Bereich gestiegen, einen Rückgang gab es im kaufmännischen Bereich. 

Zwar sind seit 2015 mehr Frauen in der Branche tätig, gerade im technischen Bereich gibt es aber noch viel Luft nach oben. 2015 waren nur 10,2 % der technischen Berufe mit Frauen besetzt, heuer 11,8 %. Deutlich weiblicher sind aber die Führungsetagen geworden. Waren 2015 nur 8,6 % der Führungskräfte weiblich, sind es in diesem Jahr 13,2 %. Für eine echte Trendwende bräuchte es aber weitreichendere Maßnahmen. Möglich wäre etwa im Rahmen des Bestbieterprinzips die Vergabe von öffentlichen Aufträgen an eine Frauenquote oder an das Vorhandensein von Frauenförderungsplänen und die nachweisliche Steigerung des Frauenanteils in den Unternehmen zu koppeln.

Auf Unternehmensebene seien laut einer Masterarbeit an der FH Burgenland »die Schaffung von Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Einführung und Umsetzung betrieblicher Maßnahmen zur Förderung von Frauen in den Unternehmen sehr wichtig«. Frauen müssten unbedingt zu ihren Bedürfnissen befragt werden. »Das geht, gerade am Bau, bis hin zur Beschaffung einer Arbeitskleidung, in der sich Frauen wohl fühlen und die ihnen auch passt«, sagt Autorin Barbara Böhm.

(Titelbild: iStock)

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...

Log in or Sign up