Donnerstag, April 03, 2025

Die Ermittlungen im Fall der österreichischen Baukartelle fördern neue Verantwortliche zutage: Gegen Pittel + Brausewetter wurde nun vor dem Kartellgericht ein Bußgeld von 4,81 Millionen Euro beantragt. Das Bauunternehmen war in die österreichweiten illegalen Preisabsprachen und Marktaufteilungen verwickelt. 

Die Bundeswettbewerbsbehörde stellte am 16.02.2023 einen Antrag auf Verhängung einer Geldstrafe gegen das Unternehmen Pittel + Brausewetter. Bereits September letzten Jahres hatte die BWB dem Baukonzern ihre Beschwerdepunkte mitgeteilt. Inzwischen zeigte sich das Unternehmen kooperativ: im Interesse einer schnellen Verfahrensbeendigung gab Pittel + Brausewetter vor dem Kartellgericht ein umfassendes Schuldanerkenntnis ab. Dies als auch die Einrichtung eines internen Compliance-Systems wurden vom BWB und dem Bundeskartellanwalt bei der Bemessung der Geldstrafe positiv berücksichtigt. 

Kostmann wird Kronzeuge

Gegen das Unternehmen Kostmann wurde ein Antrag auf Feststellung einer Zuwiderhandlung gestellt. Kostmann stellte bereits zu Beginn der Baukartell-Ermittlungen im Frühjahr 2017 einen Kronzeugenantrag und legte als eines der ersten Unternehmen Informationen und Beweismittel vor. Dank dieser Kooperation sieht die BWB hier von einer Geldbuße ab. „Kronzeugen helfen uns geheime Absprachen von innen heraus aufzudecken. Mit Stand heute hat die BWB seit 2006 rund 120 Kronzeugenanträge erhalten“, so die interimistische Generaldirektorin Natalie Harsdorf-Borsch.

Kostmann gab indes vor dem Kartellgericht bereits zu, am Baukartell beteiligt gewesen zu sein. Auch habe man ein zertifiziertes Compliance-System eingeführt und weitere Maßnahmen gesetzt, um zukünftigen Zuwiderhandlungen gegen das Kartellverbot vorzubeugen.

Hintergrund

Anfang 2017 hatte die BWB aufgrund des Verdachts auf Absprachen in der Bauwirtschaft gemeinsam mit der WKStA Hausdurchsuchungen durchgeführt. Am aufgedeckten Kartell beteiligt waren nahezu sämtlichen Sparten des österreichischen Baugewerbes, insbesondere aber der Straßenbau. Betroffen sind zahlreiche öffentliche, aber auch private Auftraggeber in einer großen Anzahl an Bauvorhaben. Gegen eine Vielzahl der mutmaßlich beteiligten Unternehmen laufen die Ermittlungen der BWB noch, andere Verfahren konnten bereits rechtskräftig abgeschlossen werden.

Im Rahmen der Zuwiderhandlung wurden zwischen den beteiligten Unternehmen Absprachen getroffen, um sich gegenseitig zur Erteilung von Aufträgen zu verhelfen und so unter anderem Marktanteile zu sichern und eine entsprechende Kapazitätsauslastung zu erhalten. Um dieses gemeinsame Ziel zu erreichen, kam es zu Preisabsprachen, dem Austausch wettbewerbssensibler Informationen wie etwa Abstimmungen über Angebotsabgaben, sowie vereinzelt zur Bildung kartellrechtswidriger Arbeits- und Bietergemeinschaften. Unter anderem wurde etwa der Ausschreibungsgewinner, der abzugebende Preis und die Abgabe von „Deckangeboten“ vereinbart, sodass bestimmte Mitbewerber beispielsweise überhaupt kein Angebot legen sollten. Abgesprochen hatten sich die Unternehmen entweder über bilaterale Kontakte oder gar ganze Gesprächsrunden.

Nach dem Kartellgesetz können solche Verstöße mit Geldbußen bis zu 10 Prozent des im vorausgegangenen Geschäftsjahr erzielten Gesamtumsatzes geahndet werden. Dabei werden Schwere und Dauer der Rechtsverletzung, des Verschuldens, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der Kooperation des beschuldigten Unternehmens berücksichtigt. 

(Titelbild: iStock)

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
05. Dezember 2024
Vor zehn Jahren eröffnete mit der AWS Europa (Frankfurt) Region die erste AWS-Region in Deutschland, die es Unternehmen aus dem DACH-Raum ermöglicht, ihre Rechenleistung und Speicher flexibel und kost...
Firmen | News
05. Dezember 2024
In der heutigen digitalen Welt eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, finanzielle Angelegenheiten effizient zu gestalten und dabei gleichzeitig Kosten zu sparen. Moderne Online-Tools unterstützen ni...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...

Log in or Sign up