Samstag, April 05, 2025
Für Pharmakologen, Chemiker und Mediziner könnte es ein enormer Durchbruch sein: Künstliche Haut, die sich vollautomatisch in der Fabrik fertigen lässt. Denn speziell die Forschung hat einen enormen Bedarf an Hautmodellen.
Mit künstlicher Haut lässt sich feststellen, ob Cremes und Seifen, Putzmittel, Medikamente und Pflaster »hautverträglich« sind, ob die Produkte beim Konsumenten Reizungen oder allergische Reaktionen hervorrufen. Die Ergebnisse der Tests gelten als aussagekräftig und können Tierversuche größtenteils überflüssig machen. Aber noch ist künstliche Haut sehr selten. Die Nachfrage ist deutlich höher als das verfügbare Angebot. Selbst etablierten Unternehmen gelingt es nicht, pro Monat mehr als 2.000 Hautstückchen von einem Quadratzentimeter Größe herzustellen. Der Bedarf alleine in der EU liegt aber bei 6,5 Millionen dieser kleinen Stücke.

Derzeit steckt die Gewebezüchtung allerdings noch in den Kinderschuhen. Während bislang überwiegend einschichtige Hautmodelle, die aus einem einzigen Zelltypus bestehen, angeboten wurden, haben Fraunhoferforscher jetzt ein Hautmodell entwickelt, das aus zwei Schichten mit unterschiedlichen Zelltypen besteht und damit ein nahezu perfektes Abbild der menschlichen Haut bietet. In einem mehrstufigen Prozess werden kleine Hautstücke zunächst sterilisiert, dann zerschnitten, mit Hilfe von Enzymen aufbereitet, in zwei Zellfraktionen separiert und diese getrennt auf Zellkulturoberflächen vermehrt. Der nächste Arbeitsschritt fügt die beiden Zelltypen zu einem zweischichtigen Modell zusammen – wobei den Zellen, die die flexible untere Schicht, die Dermis, bilden sollen, Kollagen beigemischt wird. Dieses verleiht dem Gewebe natürliche Elastizität. In einem körperwarmen und feuchten Inkubator verbinden sich die Zellfraktionen in weniger als drei Wochen zu einem fertigen Hautmodell von etwa einem Zentimeter Durchmesser. Die Technik hat sich in der Praxis bereits bewährt, für die Massenproduktion ist sie bisher jedoch zu teuer und zu aufwändig. Deshalb wird jetzt mit Hochdruck an einer Automatisierung der Arbeitsschritte gearbeitet.

Mittelfristiges Ziel ist es, die Bedürfnisse der Industrie zu befriedigen, mit monatlich 5000 Hautstücken zu einem Preis von rund 34 Euro. Langfristig sollen die Hautstücke auch in der Transplantationsmedizin zum Einsatz kommen.

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...

Log in or Sign up