Freitag, April 04, 2025
»Nicht ohne mein Auto!«
In Österreich können sich nur 10 Prozent der Autokäufer*innen vorstellen, 2040 ohne Auto auszukommen. (Fotocredit: iStock)

Laut einer Studie der Managementberatung Horváth hängen Österreicher*innen im Europa-Vergleich am stärksten am eigenen Pkw.

Werden in der Zukunft noch eigene Fahrzeuge benötigt? In Österreich beantworten 90 Prozent der Fahrzeugkäufer*innen diese Frage mit einem klaren »Ja«. Die Befragten geben an, weder jetzt noch in Zukunft ohne eigenes Fahrzeug auskommen zu können. Ob es an mangelnder Vorstellungskraft liegt oder die Befragten einfach zu sehr am eigenen Fahrzeug hängen? Die aktuelle Horváth-Studie liefert Hinweise. »Die Bereitschaft zur Aufgabe des eigenen Fahrzeugs und zur ausschließlichen Nutzung alternativer Mobilitätsformen wie Car-Sharing oder öffentliche Verkehrsmittel ist in Europa noch gering. In großen Städten und Ballungszentren sieht es naturgemäß etwas anders aus und mehr Menschen können sich vorstellen auf das eigene Auto zu verzichten – dort sind auch Sharing-Konzepte bereits etabliert«, sagt Christoph Kopp, Automobil- und Industrieexperte bei der Managementberatung Horváth.

Alternative Mobilitätsformen

In Italien, wo die Bereitschaft zum Verzicht auf den eigenen Pkw besonders hoch ist (59 Prozent können sich vorstellen, ohne Auto auszukommen) gehen die Befragten davon aus, dass der öffentliche Personennahverkehr bis 2040 mehr als ein Viertel der genutzten Mobilitätsformen ausmachen wird. Der Anteil an alternativen Mobilitätslösungen wie Ride-Sharing oder -Hailing wird auf 13 Prozent in der Zukunft geschätzt. In Österreich trauen die Befragten dem öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) gerade einmal 13 Prozent im Jahr 2040 zu. Für alternative Mobilitätsformen wie Ride-Hailing und Ride-Sharing wird lediglich ein fünfprozentiger Anteil prognostiziert.

»Ein eignes Auto ist für viele Menschen nach wie vor mit persönlicher Freiheit verbunden, weshalb für viele Kunden eine Zukunft ohne individuelle Mobilität nicht vorstellbar ist«, meint Horváth-Experte Kopp. Auch der Urbanisierungsgrad, welcher in Österreich im europäischen Vergleich geringer ist, spielt eine gewichtige Rolle. 90 Prozent der Österreicher*innen gehen davon aus, auch in 2040 noch einen eigenen Pkw zu nutzen. Die Mehrheit hält immer noch »Verbrenner« für nachhaltigste Option.​

Christoph Kopp, Automobilexperte bei Horváth & Partner: »Ein eignes Auto ist für viele Menschen nach wie vor mit persönlicher Freiheit verbunden.« (Foto: Horváth & Partner)


Hinsichtlich elektrischer Fahrzeuge sind die Befragten aus zwölf europäischen Kernmärkten weder von Kostenvorteilen noch vom ökologischen Nutzen überzeugt. In Österreich können sich nur 15 Prozent der Befragten vorstellen beim nächsten Autokauf sich für ein BEV (Battery Electric Vehicle) zu entscheiden. Die hohen Preise und die mangelnde Ladeinfrastruktur werden von den Befragten hierfür als Gründe genannt. »Verbrenner« gelten über den Lebenszyklus des Fahrzeugs bei 60 Prozent als die aktuell nachhaltigste Option beim Autokauf. Immerhin: Elektrofahrer sind loyal. Wer sich einmal für ein Elektro- oder Hybridfahrzeug entschieden hat, will nicht mehr zurück zum Verbrenner. Länderübergreifend wollen nur zwei Prozent der Befragten Fahrer von reinelektrischen Fahrzeugen beim nächsten Kauf ein Fahrzeug mit konventionellem Antrieb auszuwählen.

China drängt auf den Markt

Die aktuelle Horváth Studie liefert auch im Hinblick auf die Akzeptanz chinesischer Automarken in Europa aufschlussreiche Erkenntnisse. Im Vergleich zum Frühjahr 2023 zeigt sich eine Zunahme der Bereitschaft europäischer Kunden, eine chinesische Marke in Betracht zu ziehen. Während sich im April etwas mehr als ein Viertel für ein chinesisches Modell interessierte, können sich jetzt 40 Prozent vorstellen, bei ihrem nächsten Autokauf ein Fahrzeug eines chinesischen Herstellers zu erwerben. In Österreich ist der Trend dagegen rückläufig. Die Kaufbereitschaft ist hier von 40 Prozent um elf Prozentpunkte auf 
29 Prozent gefallen. Gründe liegen in der geringen Anzahl an aktiven chinesischen Automobilherstellern, sowie der politischen Diskussion zu China.

»Es benötigt Zeit, eine Marke neu aufzubauen und Kundenvertrauen zu gewinnen. In Österreich, wo der Markteintritt der chinesischen Hersteller noch frisch ist, können sich aktuell 29 Prozent einen Kauf vorstellen. In Norwegen, wo letztes Jahr bereits jedes zehnte Auto aus China kam und verschiedene Hersteller erfolgreich im Markt etabliert sind, liegt die Kaufbereitschaft bei fast 50 Prozent«, so Horváth-Experte Kopp. Um Kunden zu überzeugen, könnte es dem Experten zufolge für weitere Markteintritte eine erfolgreiche Strategie sein, europäische Marken zu übernehmen und mit chinesischer Technologie weiterführen. Optionen für »weniger belebte« Marken, die sich dafür eignen, gebe es aktuell am Markt. 
 

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...

REPORT | Meistgelesen

Log in or Sign up