Donnerstag, April 03, 2025

Der steigende Rohstoffbedarf stellt die Industrie vor große Herausforderungen. Eine belgische Studie warnt vor Versorgungsrisiken bei Rohstoffen, die für die Energiewende Europas nötig sind. 

Der Green Deal der Europäischen Union hat einen Pferdefuß. So ambitioniert die Ziele einer Klimaneutralität bis 2050 sind, sie offenbaren auch die Abhängigkeit von Importen mehrerer Rohstoffe, die für den forcierten Ausbau erneuerbarer Technologien benötigt werden.

Die Ende April 2022 in Brüssel präsentierte Studie »Metalle für saubere Energie: Lösung der Rohstoffherausforderung in Europa« der belgischen Universität KU Leuven analysiert, wie die EU den künftigen Ressourcenbedarf decken kann. Die Forscher*innen gingen dabei erstmals auf die gesamte Wertschöpfungskette, nämlich von der Rohstoffgewinnung im Bergbau bis zur Rückgewinnung im Recycling, ein und bildeten somit die gesamte Kreislaufwirtschaft umfassend ab.

Engpässe befürchtet

Laut der Studie könnten sich in Europa aufgrund globaler Versorgungsengpässe bei fünf Metallen – Lithium, Kobalt, Nickel, Seltene Erden und Kupfer – Probleme ergeben. Die Nachfrage nach Primärmetallen wird um 2040 ihren Höhepunkt erreichen. Diese Rohstoffe sind aber essenziell für den Bau von Batterien, Windkraft- und Solaranlagen sowie den erforderlichen Netzausbau.

Zusätzliches Potenzial für neue inländische Minen besteht theoretisch, um zwischen fünf und 55 Prozent des europäischen Bedarfs an Lithium und Seltenen Erden bis 2030 zu decken. Trotz der vergleichsweise hohen Umweltstandards Europas ist die Zukunft der meisten angekündigten Projekte jedoch ungewiss, da sie oft mit lokalem Widerstand und rechtlichen Herausforderungen bei der Genehmigung zu kämpfen haben.

Genehmigungsprozesse für neue Projekte dauern im europäischen Schnitt derzeit 15 bis 17 Jahre. Um die EU-Ziele umsetzen zu können, wären nach Meinung der Industrie Genehmigungen binnen fünf Jahren erforderlich, um die Erschließung und die Erwirtschaftung der hohen Investitionen sicherzustellen. Weiters fehlt es in Europa an Raffinerien, die abgebaute Erze und Sekundärrohstoffe in Metalle oder Chemikalien umwandeln. Statt neuer Investitionen läuft die Entwicklung durch die Energiekrise derzeit in die Gegenrichtung: Explodierende Strompreise haben bereits zur vorübergehenden Schließung von fast der Hälfte der bestehenden Raffineriekapazität für Aluminium und Zink geführt.

Dennoch halten die Studienautor*innen es für realistisch, dass bis 2050 – abhängig vom jeweiligen Rohstoff – 40 bis 75 Prozent des Bedarfs aus Recycling gedeckt werden kann. Recycling sei Europas beste Chance, die Unabhängigkeit von Importen langfristig zu ermöglichen. Die Recyclingquoten müssten allerdings stark erhöht und Investitionen in die Infrastruktur getätigt werden.

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