Samstag, April 05, 2025
FMA-Vorstandsvorsitzender Franz Fleischmann und sein Stellvertreter Helmut Floegl im Interview.

Von Monika Gentner

Inwieweit spürt die FMA Facility Management Austria die aktuelle Wirtschaftskrise?

Franz Fleischmann: Die aktuelle Wirtschaftskrise hat der FMA zwei große Themen gebracht: einerseits Nachhaltigkeit und Energieeffizienz, andererseits die Suche nach effektiven Mitarbeitern; nach Menschen, die die modernen komplexen Dienstleistungen, die der FM-Markt heute erwartet, erbringen können. In Österreich besteht ein hoher Bedarf an Facharbeitern, der kaum zu befriedigen ist. Die FMA hat auf Basis des Elektrotechnikers einen Lehrberuf initiiert, der allen FM-Dienstleistern die Ausbildung von Facharbeitern für das technische Gebäudemanagement ermöglicht.

Was steckt hinter dem wiederholten Ruf: "Zurück zum Hausbesorger"?
Fleischmann: Bei großen Wohn- oder Bürobauten werden Leistungs­vereinbarungen mit den FM-Dienstleistern üblicherweise von der Geschäftsleitung oder der Verwaltung abgeschlossen ohne die tatsächlichen Konsumenten, die Gebäudenutzer einzubeziehen. So gesehen wäre der „Frühjahrsputz“ der geeignete Ansatzpunkt für eine neue Art Dienstleistungsvertrag. Es sollte nicht nur das Gebäude, sondern auch die Art, wie wir uns FM-Dienstleistungen besorgen, einer Reinigung unterzogen werden. Wir denken, dass zu wenig kommuniziert wird, was wir vom FM-Dienstleister erwarten. In Bürogebäuden wird die Reinigung oft in Quadratmetern bestellt, ohne Mitteilung, worauf der Nutzer Wert legt. Das kann die perfekt saubere Zufahrt oder der täglich leere Papierkorb sein, auch wenn nur ein Blatt darin lag. Die Kommunikation darüber, was der Kunde wertschätzt, ist ein noch vernachlässigtes Element. Kommunikation über Werte kann viel an wahrgenommener Qualität und Leistung verbessern.
Helmut Floegl: In den Facility Services sind wir am Ende der Rationalisierung im klassischen Sinn. Wir haben die Dienstleistungen in immer mehr Bausteine, in genaue Leistungen zerlegt und ausgeschrieben. Dabei ging der ganzheitliche Ansatz verloren. Leistungen werden nicht wie Produkte 1:1 abgerufen, sondern letztlich leisten Menschen anderen Menschen Dienste. Es geht immer um Menschen, mit unterschiedlichen individuellen Prioritäten. Der Erfolg eines effektiven Dienstleisters, Reinigers oder Technikers, ist die positive Wahrnehmung und Wertschätzung des einzelnen Nutzers oder Kunden.
Organisatorisch sollte die FM-Firma dazu etwa nur einen Ansprechpartner für den Kunden haben, der die verschiedenen Leistungen intern organisiert. Der ist letztlich der Hausmeister für den großen Kunden und die Person, zu der das Vertrauensverhältnis des Kunden aufgebaut wird. Es geht nicht nur darum, die einzelne Leistung möglichst schnell und rationell abzuwickeln. Es geht auch um die Kommunikation dieser Leistung, darum, das Bedürfnis des Kunden zu erkennen, die Leistungserbringung zu organisieren und operativ abzuwickeln.

Was beschäftigt die FMA aktuell?
Fleischmann: Wir wollen den Beruf des Facility Managers weiter stärken und fördern. Es ist notwendig, Qualifikationen auszubauen, um die steigenden Anforderungen an professionelle Dienstleistungen der modernen, globalen Wirtschaft zu erfüllen. Wir wollen unseren Mitgliedern national und international eine Plattform bieten, auf der sie ihre Professionalität und Kompetenzen verbinden können. Aktuell schließt die FMA Kooperationsvereinbarungen mit Partnerorganisationen in anderen Ländern Europas ab. Im zentraleuropäischen Raum sind ja österreichische FM-Anbieter führend am Markt.
Floegl: Ein anderer wichtiger Ansatzpunkt ist die Einbeziehung des Facility Managements bereits in die Bauplanung. Hier werden die Weichen für Nutzung und Betrieb des Gebäudes gestellt. Nur zwei Beispiele aus vielen: Man sollte bei der Erschließung des Gebäudes die Wege  möglichst kurz gestalten und die Räume mit höherer Frequenz möglichst nahe am Eingang anordnen. Durch kluge Festlegung der Gebäude­achsen und Stützen kann schon in der Planung die Effektivität der Nutzung und des Betriebs verbessert werden.

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