Freitag, April 04, 2025
KIM-Verordnung adé
Yves Suter, Geschäftsführer von Hartl Haus und Vizepräsident des Fertighausverbands Österreich

Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat für viel Erleichterung in der Bau- und Immobilienbranche gesorgt. Wie sich KIM-Verordnung ausgewirkt hat und welche Spuen sie hinterlassen hat, erklärt Yves Suter, Geschäftsführer von Hartl Haus und Vizepräsident des Fertighausverbands Österreich, in einem Gastkommentar.

Über 900 Tage hat die KIM-Verordnung Österreichs Banken bei der Vergabe von Immobilienkrediten ein Korsett angelegt. Die Konsequenz: Für viele Menschen wurde der Erwerb einer Immobilie unerschwinglich. Dabei war die Intention grundsätzlich keine schlechte: Die KIM-Verordnung war eine Reaktion auf den überhitzten Immobilienmarkt. Allerdings war die Politik hier schlichtweg zu spät dran. Die Nachfrage nach Immobilienkrediten war bereits zum Startzeitpunkt der Verordnung rückläufig und die Zinsentwicklungen haben diese fast sofort nach Einführung überflüssig gemacht. Jetzt hat die Bau- und Immobilienbranche ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk erhalten, denn in einem halben Jahr dürfte die KIM-Verordnung auslaufen.

Häuslbauer als Leidtragende
Besonders stark getroffen hat die KIM-Verordnung die Häuslbauer. Dies hat wiederum die Möglichkeiten vieler Österreicher beeinflusst, in die Zukunft und die eigene Vorsorge zu investieren. Dabei gibt es nahezu nie Ausfälle bei privatem Eigentum, weil sich normale Menschen mit Hausverstand nicht verzocken. Doch die Sorge um überbewertete Gewerbeimmobilien in Zeiten von Home Office war offenbar größer.

Dabei kann ein eigenes Heim so viel mehr, als ein Dach über den Kopf geben: Eigentum ist nicht nur ein Meilenstein in der Lebensplanung, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil der Altersvorsorge. Besonders den Mittelstand unterstützt es beim Vermögensaufbau. Aber ohne entsprechende politische und finanzielle Rahmenbedingungen ist der Zugang zu Eigentum für eine breite Bevölkerungsschicht nicht leicht – und unter den Bedingungen der letzten Jahre oftmals gar nicht erreichbar.

Wir sehen die Auswirkungen bereits jetzt glasklar: Die Entwicklung bei den Arbeitslosenzahlen, der Anstieg der Mieten oder Ausfälle beim Staatshaushalt durch reduzierte Bautätigkeit, geringere Steuereinnahmen und weniger Wirtschaftswachstum. Baunebengewerbe und Einzelhandel bekamen die Folgen ebenfalls zu spüren. Die langfristigen Effekte hängen davon ab, wie sehr und wie rasch der Wohnungsbau und die Immobilienfinanzierung nach dem Auslaufen der Regelung wieder an Dynamik gewinnen.

Der gesamtwirtschaftliche Schaden kann zum jetzigen Zeitpunkt aber sicher noch nicht bemessen werden. Bleibt nur zu hoffen, dass sich nicht allzu viele Familien ganz vom Traum vom Eigenheim verabschiedet haben. Das würde die ohnehin niedrige Eigentumsquote in Österreich von nur 48 Prozent weiter sinken lassen. Aber genau wissen wir das erst in ein paar Jahren.

Zukunftsperspektiven und Neujahrsvorsätze
Jetzt geht es darum, aus dem Vergangenen zu lernen. Ja, die Branche und das Kundenverhalten haben sich verändert: Effizientere Planungs- und Bauprozesse sind das Ergebnis von Digitalisierung und datengestützem Arbeiten. Der Bedarf an präzisen Finanzplanungen und Risikobewertungen – besonders mit zunehmenden Extremwetterereignissen – ist gestiegen. Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind wichtiger geworden als die verfügbaren Quadratmeter. Ich bin zuversichtlich, dass all das auch den Innovationsgeist der Branche beleben wird.

Müssen wir in naher Zukunft mit einer KIM-Verordnung 2.0 rechnen? Ich denke nicht. Sollte es wieder Regulierungen brauchen, müssen diese in Zukunft dynamisch gestaltet sein und flexibel auf Marktentwicklungen reagieren können. Und: Politik und Aufsichtsbehörden müssen eine Balance finden, um Stabilität zu gewährleisten – ohne das Wachstum der Bauwirtschaft und die Erschwinglichkeit von Wohnraum zu gefährden.

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...

Log in or Sign up