Samstag, April 05, 2025
Porträt: Eine sehr gute Symbiose
Ulrike Rabmer-Koller sieht sich als Teamplayerin. Die Rabmer-Mannschaft schätzt das, einige Mitarbeiter*innen des 110-köpfigen Teams arbeiten seit über 40 Jahren im Betrieb. (Credit: Walkobinger)

Ulrike Rabmer-Koller führt die Rabmer-Gruppe in zweiter Generation. Mit ihrem Unternehmen ist sie international im Bereich Bau und Umwelttechnik mit Fokus auf Wasser- und Energieeffizienz sowie erneuerbare Energien tätig. Teil 16 der Serie »Frauen in der Bauwirtschaft«.

Tradition spielt in der Rabmer-Gruppe eine wesentliche Rolle. Die Zentrale des Familienunternehmens befindet sich in einem alten Vierkanthof in Altenberg bei Linz, der seit über 250 Jahren in Familienbesitz ist. »Wir feiern heuer unser 60-Jahr-Firmenjubiläum«, erzählt Geschäftsführerin Ulrike Rabmer-Koller. Für sie ist es wichtig, die traditionelle Verbundenheit zu erhalten, aber immer gepaart mit Innovation. »Vor 30 Jahren haben wir schon das Potenzial von Umwelttechnologie erkannt, heute sind wir ein zentraler Player.« Zahlreiche Patente und Ehrungen wie der GBB Award 2021, der Energy Globe Award und der Hermes.Klimaschutz.Preis 2021 bestätigen den gewählten Weg.

»Das ist vor allem für das Team sehr wichtig«, betont die 57-jährige, die auch im wirtschaftspolitischen Bereich tätig war, unter anderem als Vizepräsidentin der WKO, Präsidentin des europäischen KMU-Verbandes und Sprecherin des Clean-Tech-Clusters. Zu den aktuellen Erfolgen der Rabmer-Gruppe im Bereich Umwelttechnologie gehört Energie aus Abwasser. Dazu verweist Rabmer-Koller auf den 30.000 m² umfassenden Büro- und Wohnkomplex Vio Plaza in Wien-Meidling, der über dieses System erneuerbar gekühlt und geheizt wird.

Kollegial und partizipativ

»Wir setzen einen großen Schwerpunkt auf die Region, unterstützen viele Vereine, treiben regionale Verwurzelung mit internationalem Fokus voran und leben ein sehr familiäres Miteinander, unter anderem mit Gleitzeitmodell und Väterkarenz.« Veranstaltet werden unter anderem regelmäßige Mitarbeiterfeste, sowie der Kinderbautag, bei dem Kinder zwischen sechs und 14 Jahren ihre technischen und handwerklichen Fähigkeiten an sechs Stationen unter Beweis stellen können. Heuer waren über 70 Kinder am Start. »Damit wecken wir sehr früh das Interesse für handwerklich-technische Berufe und vielleicht dürfen wir in Zukunft einige Kinder als Lehrlinge bei uns begrüßen«, lacht die Firmenchefin. Gefragt nach den eigenen Interessen in der Freizeit nennt sie vor allem Bewegung in der Natur, ihr Hund unterstützt sie dabei als Bewegungsmotivator. Zudem liest sie viel und sehr gerne und unternimmt Wander- und Skiausflüge mit der Familie.

Tradierte Rollenbilder auflösen

Besonders erfreut zeigt sich Ulrike Rabmer-Koller, verheiratet und wohnhaft in der Nähe des Firmensitzes in Altenberg, von der steigenden Zahl teilnehmender Mädchen am Kinderbautag. »Beim ersten Mal war nur ein Mädchen dabei – und das war die Tochter eines Mitarbeiters, heuer lag der Mädchenanteil bereits bei 40 Prozent. Tradierte Rollenbilder müssen sich lösen«, fordert sie. Mädchen im Kindergarten dürften nicht automatisch der Puppenecke und Burschen der Bauecke zugeordnet werden. Es habe sich aber schon viel verändert. »Vor meinem BWL-Studium an der Johannes Kepler Uni Linz wollte ich eigentlich die HTL absolvieren. Am Besuchstag war ich aber das einzige Mädchen, ich bin daher im Gymnasium geblieben«, erinnert sie sich.

Ihre Tochter hat die Bau-HTL bereits mit zahlreichen anderen Mädchen absolviert. Aktuell studiert sie Architektur, der Sohn von Rabmer-Koller hat sich nach der Maschinenbau-HTL für ein Wirtschaftsstudium entschieden. »Nach dem Studienabschluss werden beide ähnlich wie ich noch Erfahrungen in anderen Bereichen sammeln«, betont Rabmer-Koller, die unter anderem in Amerika für eine Firma gearbeitet hat, die sich mit grabungsfreier Rohrsanierung beschäftigte. »Ich hoffe, dass sich eines der beiden Kinder oder auch beide für meine Nachfolge entscheiden«, betont die gebürtige Linzerin, die zahlreiche Vorteile im inhabergeführten Familienbetrieb sieht.

Die Entscheidungen im Familienunternehmen seien oftmals auf Generationen hin ausgelegt. Bei der Installation der PV-Anlage als Zeichen von Nachhaltigkeit lag der Return on Investment bei ursprünglich zwölf Jahren, die Gasheizung war erst zehn Jahre alt. »Wir haben sie trotzdem gewechselt und heizen seit einigen Jahren mit Restholz vom Bau und der Zimmerei. Das hat sich jetzt als positiv erwiesen, weil wir nicht mehr abhängig sind vom Gas.«


Weitere Teile unserer Reihe: www.report.at/tag/frauen-in-der-bauwirtschaft

Meistgelesene BLOGS

Andreas Pfeiler
19. Dezember 2024
Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fün...
AWS (Amazon Web Services)
11. Dezember 2024
Amazon hat sein europäisches Reverse-Logistics-Programm durch re:Cycle Reverse Logistics erweitert. re:Cycle Reverse Logistics betreibt Einrichtungen in Dublin, die Geräte aus AWS-Rechenzentren testen...
Firmen | News
16. Dezember 2024
Kryptowährungen und Investieren erscheinen oft exklusiv und komplex, doch innovative Technologien machen sie zunehmend einfacher und für alle zugänglich. Mit einer niedrigen Einstiegsschwelle von 50 €...
AWS (Amazon Web Services)
18. Dezember 2024
Amazon Web Services (AWS) stellt 100 Millionen Dollar für benachteiligte Schüler:innen zur Verfügung, um ihnen Kenntnisse in den Bereichen KI, Cloud Computing und Alphabetisierung zu vermitteln. In de...
Josef Muchitsch
23. Dezember 2024
Die Entscheidung, die KIM-Verordnung auslaufen zu lassen, ist ein wichtiger Erfolg für die Bauwirtschaft und alle Beschäftigten. Ursprünglich eingeführt, um den Immobilienmarkt zu regulieren, hat die ...
Alfons A. Flatscher
19. Dezember 2024
Europa steht vor drängenden Herausforderungen: Banken sind zunehmend restriktiv, alternative Formen der Finanzierung sind unterentwickelt. Die Folge? Vielversprechende Projekte und innovative Ideen sc...
AWS (Amazon Web Services)
07. Jänner 2025
Jedes Jahr fordert Krebs weltweit etwa 10 Millionen Menschenleben, und die WHO geht davon aus, dass die weltweiten Krebserkrankungen bis 2040 um 60 Prozent steigen werden. Während die Welt immer noch ...
Bernd Affenzeller
18. Dezember 2024
 Das Auslaufen der KIM-Verordnung hat in der Bau- und Immobilienbranche zu einem deutlich wahrnehmbaren Aufatmen geführt. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass 2025 besser laufen wird a...

Log in or Sign up