Freitag, April 04, 2025

80 Prozent aller europäischen Haushalte müssen bis zum Jahr 2020 mit »Smart Metern« ausgestattet sein. In Deutschland ist der Einbau digitaler Zähler ab 2010 Pflicht. In Österreich lässt man sich noch Zeit.


Für Energieversorger bedeuten die Erwartungen der Gesetzgeber an die digitalen Zähler eine Herausforderung. Wie soll die zu erwartende Flut an Rohdaten kanalisiert und aufbereitet werden? Aktuell fehlen dazu nicht nur die geeigneten Instrumente, es existiert auch keinerlei IT-Infrastruktur zur Verwertung der Informationen.
Aktuelle Verbrauchswerte beim »Smart Metering« ermöglichen eine deutlich genauere Planung des Energiebedarfs. Für die Versorger sinken in der Folge die Kosten für die Energiebeschaffung, da sich der Zukauf teurer Regelenergie auf ein Minimum reduzieren lässt. Außerdem führen unpräzise Prognosen zu Kostenineffizienzen: Speist ein Versorger mehr Energie in das Netz ein, als von seinen Kunden tatsächlich genutzt wird, verpufft diese im Netzwerk. Auch Ablesungsfehler gehören der Vergangenheit an, und nicht zuletzt wird auch der Stromdiebstahl erschwert.
Zukunftsmusik
Tatsächlich aber sei aktuell kaum ein Versorger, weder in Deutschland noch in Österreich, auf die Datenfluten bei einer flächendeckenden Einführung der intelligenten Zähler vorbereitet, glaubt Hagen Radowski, Geschäftsführer des in Stutt­gart beheimateten Energieconsulters Infomotion GmbH. Dazu seien drei Schritte vonnöten, so Radowski.

 


Definition der Prozesse
In einem ersten Schritt müssten die Prozesse bestimmt werden, die zur Informationsgewinnung notwendig sind. Der Erfolg der späteren Datenaufbereitung hänge wesentlich davon ab, im Vorfeld detailliert zu klären, welche Unternehmensbereiche welche Informationen benötigen, um beispielsweise eine bessere Kraftwerkssteuerung, eine höhere Netzauslastung zu gewährleisten oder zu klären, was Vertrieb und Kundendienst benötigen.

Informationsgewinnung und -verteilung
»Den Unternehmen steht heute eine riesige Auswahl an zum Teil hochspezialisierten Highend-Business-Intelligence-Werkzeugen zur Informationsgewinnung zur Verfügung«, so Radowski. Nicht zuletzt müsse ein System entwickelt werden, das eine optimale Verteilung der gewonnenen Informationen über eine geeignete Infrastruktur gewährleistet. So können beispielsweise relevante Controlling-Informationen durch eine entsprechende Query-Integration – die vollintegrative Einbindung von Business-Intelligence-Anwendungen in weit verbreitete Software-Werkzeuge wie Microsoft Excel – zur Verfügung gestellt werden.

Paradigmenwechsel notwendig
Die kontinuierliche Verbrauchsmessung würde das Angebot individuell zugeschnittener Tarifpakete ermöglichen, so Radowski. Durch eine entsprechende Tarifgestaltung könnten Versorger Anreize schaffen, den Stromverbrauch in Nebenzeiten zu verlegen – und sich so durch die Entlastung der Spitzenlastzeiten bessere Margen sichern. Denkbar seien auch zusätzliche Features, über die der Kunde nicht nur den persönlichen Verbrauchsverlauf beobachten, sondern gleichzeitig neue Tarife in Form einer Simulation testen kann. Die flächendeckende Umstellung auf Smart Meter bedeute für Energieversorger allerdings einen Paradigmenwechsel, der mit enor­men Investitionen verbunden ist, so Radowski. Diese würden sich nur rechnen, wenn die Versorger ein umfassendes Konzept entwickeln, wie die zusätzlichen Datenmengen in Zukunft aufbereitet und genutzt werden können.

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